Kapitel einsWarum dieses Buch?
Dieses Buch ist aus vielen Gesprächen entstanden. Gesprächen mit Männern, die einen Fuß- oder Schuhfetisch haben, und Gesprächen mit Frauen, die einen Partner lieben, dessen Sexualität genau dort einen besonderen Schwerpunkt hat. Oft waren diese Gespräche klug, offen und neugierig, manchmal verunsichert, manchmal erstaunlich erleichtert. Fast immer tauchte dabei dieselbe leise Frage auf, unausgesprochen oder direkt formuliert: Was bedeutet das eigentlich für mich, für uns, für unsere Beziehung?
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil mir über die Jahre klar geworden ist, dass es an einer ruhigen, differenzierten und zugleich lebensnahen Einordnung fehlt. Zu oft wird Fetischismus entweder sensationalisiert oder pathologisiert. Beides hilft niemandem weiter. Was fehlt, ist ein Blick, der erklärt, ohne zu bewerten, und der Zusammenhänge sichtbar macht, ohne sie zu vereinfachen.
Der Fuß- und Schuhfetisch eignet sich besonders gut für einen solchen Blick. Nicht, weil er extremer wäre als andere Formen sexueller Vorlieben, sondern weil er sehr konkret ist. Füße und Schuhe gehören zum Alltag, zur Bewegung, zum Ausdruck. Gerade dadurch geraten sie schnell in ein Spannungsfeld zwischen Selbstverständlichkeit und erotischer Bedeutung. Dieses Spannungsfeld berührt nicht nur die Sexualität, sondern auch Fragen von Nähe, Rollenbildern und Kommunikation.
Dieses Buch richtet sich an Männer, die ihre eigene Sexualität besser verstehen möchten, ohne sie rechtfertigen zu müssen. Und es richtet sich ebenso an Frauen, die verstehen wollen, was im Inneren ihres Partners wirkt, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Beide Perspektiven gehören zusammen. Fetischismus ist kein Solothema, sobald er Teil einer Beziehung wird.
Mir war von Anfang an wichtig, keinen Ratgeber zu schreiben. Dieses Buch will keine Rezepte liefern und keine richtigen oder falschen Wege vorgeben. Es lädt vielmehr dazu ein, genauer hinzusehen. Auf die eigene innere Ordnung, auf die des Partners und auf die Dynamik, die entsteht, wenn beides aufeinandertrifft. Erkenntnis entsteht hier nicht durch Belehrung, sondern durch Einordnung.
Dabei spielt Fachwissen eine wichtige Rolle. Begriffe, Modelle und historische Entwicklungen helfen, Dinge einzuordnen, die sonst diffus bleiben. Gleichzeitig verliert Wissen seinen Wert, wenn es den Bezug zum gelebten Leben verliert. Deshalb ist dieses Buch bewusst so geschrieben, wie man mit guten Freunden sprechen würde: interessiert, respektvoll und mit der Bereitschaft, auch Zwischentöne stehen zu lassen.
Vielleicht ist dieses Buch für manche Leser eine Bestätigung, für andere eine erste vorsichtige Entlastung und für wieder andere einfach eine Einladung zum Weiterdenken. Es möchte keine Schubladen öffnen oder schließen, sondern Verständnis ermöglichen. Verständnis für sich selbst, für den anderen und für eine Form von Sexualität, die weniger außergewöhnlich ist, als viele lange geglaubt haben.
Wenn dieses Buch einen Anfang hat, dann liegt er genau hier: in der Bereitschaft, Fragen nicht sofort beantworten zu müssen, sondern sie zunächst einmal ernst zu nehmen.