01 · Beziehung & Kommunikation

Einleitung

Ob du davon erzählst, entscheidest du. Wenn du es tust, kommt es weniger auf den perfekten Zeitpunkt an als auf die Art, wie du darüber sprichst. Ich habe in meinem Leben beides erlebt, ein Gespräch, das gründlich schiefging, und eines, das meine Beziehung über Jahre geprägt hat.

02 · Beziehung & Kommunikation

Als ich es einfach gesagt habe

1988 lernte ich meine damalige Frau Iris kennen. Ich habe ihr sehr früh von meinem Fetisch erzählt und war selbst überrascht, wie gelassen sie reagierte. Für sie war das kein Problem und kein Grund zur Sorge. Irgendwann haben wir angefangen, Fotos von ihr in hohen Schuhen zu machen, und Schuhe gehörten bei uns ganz selbstverständlich dazu, auch im Bett. Gerade weil wir daraus nie eine große Sache gemacht haben, wurde es für uns normal.

Ich weiß, dass es nicht immer so läuft. Mein allererster Versuch ein paar Jahre vorher war an einer einzigen irritierten Bemerkung gescheitert, und viele Männer verbergen ihr Begehren jahrelang, weil sie genau so eine Reaktion fürchten. Trotzdem hat mich die Zeit mit Iris geprägt. Ich habe damals gelernt, wie entlastend Offenheit sein kann, wenn sie auf Akzeptanz trifft.

03 · Beziehung & Kommunikation

Vor dem Gespräch: Was willst du eigentlich teilen?

Ehrlich sein heißt nicht, alles zu erzählen. Nicht jede Fantasie, die dich erregt, ist für deine Beziehung wichtig. Bevor du das Gespräch suchst, lohnt sich deshalb eine Frage an dich selbst: Was davon möchte ich mit ihr teilen, und warum?

Wer das für sich geklärt hat, kann viel ruhiger erklären, worum es geht. Geht es um ein bestimmtes Paar Schuhe beim Sex? Um eine Berührung, eine Stimmung, ein Spiel mit Rollen? Je klarer du selbst bist, desto weniger diffus und bedrohlich wirkt das Thema für dein Gegenüber.

04 · Beziehung & Kommunikation

Der richtige Moment

Einen perfekten Moment gibt es nicht, ungünstige dagegen schon. Mitten im Streit, unter Zeitdruck oder mitten in einer sexuellen Situation entsteht fast zwangsläufig Druck. Genau den braucht dieses Gespräch nicht. Besser ist ein ruhiger Rahmen, in dem niemand sofort etwas entscheiden muss. Zuerst geht es darum, verstanden zu werden. Ob und wie ihr etwas davon ausprobiert, könnt ihr später immer noch klären.

Schwieriger wird es, wenn ihr schon viele Jahre zusammen seid. Dann steht schnell die Frage im Raum, warum du erst jetzt davon erzählst. In solchen Fällen hilft es oft, das Gespräch nicht als Geständnis zu führen. Beschreib lieber, wie sich deine Sexualität im Laufe der Zeit gezeigt oder verändert hat. So wird aus dem Geständnis eine gemeinsame Standortbestimmung.

05 · Beziehung & Kommunikation

Warum sie gemeint sein muss

Nach meiner Erfahrung erleben viele Frauen einen Fetisch zunächst als Konkurrenz. Sie fragen sich, ob sie als Person noch gemeint sind oder nur als Trägerin eines Reizes. Diese Sorge solltest du ernst nehmen. Dahinter steckt der Wunsch, als ganzer Mensch begehrt zu werden.

Deshalb ist es so wichtig, wie du den Fetisch beschreibst. Es sind nicht Schuhe an sich, die dich erregen, sondern ihre Schuhe, wenn sie sie trägt. Nicht irgendwelche Füße, sondern ihre. Ein Fetisch wirkt fast immer über eine Fantasie, und in dieser Fantasie spielt im besten Fall die Partnerin die Hauptrolle. Wenn sie das versteht, verändert sich oft ihr ganzer Blick auf das Thema.

06 · Beziehung & Kommunikation

Was die Forschung beobachtet

Die Forscherin Giselle Rees hat in ihrer Doktorarbeit an der Macquarie University in Sydney Menschen mit Fetischinteressen auch danach gefragt, wie sie in ihren Beziehungen damit umgehen. Manche legten ihren Fetisch offen, andere zeigten ihn nur indirekt, wieder andere verbargen ihn ganz. Berichtet wurden positive wie negative Folgen für die Beziehung. Einen Königsweg kann man daraus nicht ablesen. Man sieht aber, dass sehr viele Menschen vor derselben Entscheidung stehen wie du.

In derselben Forschungsreihe wurden Fetischmomente, die man gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner erlebt, im Durchschnitt besser bewertet als solche, die man allein erlebt. Die Befragten hatten sich allerdings selbst für die Studien gemeldet. Auf jede Beziehung übertragen lässt sich das nicht.

07 · Beziehung & Kommunikation

Ein Nein ist auch eine Antwort

Offenheit ist eine Einladung und keine Verpflichtung. Deine Partnerin darf zuhören, nachfragen und trotzdem entscheiden, dass sie bestimmte Dinge nicht mit dir teilen möchte. Das tut weh, beweist aber nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Gib ihr Zeit. Neue Informationen brauchen, bis sie ihren Platz finden, und eine erste Verunsicherung ist noch keine Ablehnung.

Und falls du dich am Ende fürs Schweigen entscheidest, ist auch das deine Entscheidung. Meine Erfahrung ist allerdings, dass Beziehungen selten an Offenheit scheitern. Häufiger scheitern sie daran, dass zwei Menschen nicht lernen, mit ihrer Unterschiedlichkeit umzugehen.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. (2019): Investigations into sexual fetishism: examining conceptualisations, practice, personal experience, and pathology. Dissertation, Macquarie University. doi:10.25949/19433471.v1
  3. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): An investigation into the solitary and interpersonal aspects of sexual object fetishism: a mixed-methods approach. Psychology & Sexuality 8(4). doi:10.1080/19419899.2017.1383301

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