01 · Beziehung & Kommunikation

Grenzen respektieren

Zuerst gilt: Wenn sich einer von beiden unwohl fühlt, ist das eine Grenze, und die wird respektiert. Trotzdem steckt in dieser Situation meist mehr Spielraum, als Paare im ersten Moment glauben. Zwischen „alles“ und „gar nichts“ liegen viele Möglichkeiten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man es falsch macht, und habe daraus gelernt, was besser funktioniert.

02 · Beziehung & Kommunikation

Mein Fehler

Ich habe meine Frau über viele Jahre immer wieder als „Königin“ gesehen, als dominante, führende Figur. Im Alltag ist sie tatsächlich eine starke, selbstbewusste Frau. Sexuell wollte sie aber nicht dauerhaft die Führung übernehmen. Und vor allem wollte sie nicht immer tiefer in eine BDSM-Welt eintauchen, die ich zum Teil von ihr gefordert habe. Ihre eigenen Bedürfnisse habe ich damals zu wenig wahrgenommen. Wir wurden beide unzufrieden, obwohl wir uns liebten.

Ich erzähle das, weil ich weiß, wie leicht man die Grenzen des anderen übersieht, wenn man sehr mit den eigenen Wünschen beschäftigt ist. Grenzen zeigen sich außerdem nicht immer als klares Nein. Wenn jemand das Gefühl hat, funktionieren zu müssen, damit die Beziehung hält, äußert sich der innere Widerstand oft ganz anders: als Lustlosigkeit, als Rückzug, als emotionale Distanz.

03 · Beziehung & Kommunikation

Verstehen ist nicht dasselbe wie mitmachen

Eine Partnerin kann den Fetisch ihres Partners verstehen, ohne ihn selbst erregend zu finden. Das auszuhalten, ist für beide nicht leicht. Er fühlt sich vielleicht nur zum Teil gesehen. Sie steht irgendwo zwischen Verständnis und ihrer eigenen Grenze.

In meinem Buch beschreibe ich jede Beziehung als Begegnung zweier Libidosen. Jeder Mensch bringt seine eigene innere Sammlung dessen mit, was ihn erregt. Dass sich diese Sammlungen nicht vollständig decken, ist kein Beziehungsfehler. Die Erwartung, zwei Menschen, die sich lieben, müssten auch sexuell genau zusammenpassen, halte ich für einen Denkfehler. Die Libidose der Partnerin verdient dabei genauso viel Respekt wie die des Mannes mit Fetisch.

Aus der Forschung gibt es dazu einen interessanten Hinweis. In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia gab die Mehrheit der Befragten mit einem Objektfetisch an, auch ohne ihr Fetischobjekt sexuell erregt und aktiv zu sein. Die Teilnehmenden hatten sich selbst gemeldet, verallgemeinern lässt sich das also nicht. Es deutet aber darauf hin, dass guter Sex für viele Menschen mit Fetisch nicht davon abhängt, dass der Fetisch jedes Mal dabei ist.

04 · Beziehung & Kommunikation

Was Paaren hilft

Aus meinen eigenen Erfahrungen und vielen Gesprächen haben sich für mich ein paar Grundsätze ergeben:

Und manchmal passiert dabei etwas Unerwartetes. Eine junge Frau hat mir einmal erzählt, dass sie weder Füße noch Schuhe erregend fand. Erregend fand sie die Macht, die Erregung ihres Partners bewusst steigern oder abflachen zu können. Solche Momente lassen sich nicht erzwingen. Sie entstehen nur dort, wo sich beide sicher fühlen.

  • Ohne Druck reden. Nicht im Streit und nicht im Bett, sondern in einem ruhigen Moment, in dem niemand sofort etwas entscheiden muss.
  • Konkret werden. Worum genau geht es? Ein bestimmtes Paar Schuhe, eine Berührung, eine Rolle? Für die Partnerin wirkt ein Fetisch oft viel größer und bedrohlicher, als er gemeint ist. Klarheit nimmt ihm diese Wucht.
  • Sie in den Mittelpunkt stellen. Wenn deutlich wird, dass es um ihre Füße geht, weil sie es sind, fühlt sie sich weniger auf einen Körperteil reduziert.
  • Klein anfangen. Es muss nicht jede Fantasie umgesetzt werden. Oft genügt eine symbolische Geste, etwa ein bestimmtes Paar Schuhe zu einem besonderen Anlass.
  • Ein Nein gilt. Auch beim dritten Mal. Wer immer wieder nachfragt, verwandelt eine Einladung in eine Forderung.
  • Auch ihre Wünsche zählen. Wer möchte, dass sich die Partnerin mit seinem Fetisch beschäftigt, sollte ihre Fantasien und Grenzen genauso ernst nehmen.

05 · Beziehung & Kommunikation

Drei Wege, die alle in Ordnung sind

Am Ende findet jedes Paar seinen eigenen Weg. Manche binden den Fetisch aktiv in ihr Sexualleben ein. Andere lassen ihn bewusst im Hintergrund. Wieder andere entscheiden sich, ihn gar nicht gemeinsam auszuleben. All das ist legitim, solange es auf gegenseitigem Respekt beruht.

Manchmal zeigt sich auch, dass es keine gemeinsame Mitte gibt. Das ist schmerzhaft. Dann ist es aber ehrlicher, diese Unterschiedlichkeit anzuerkennen, ohne einem von beiden die Schuld zu geben, als sich gegenseitig zu verbiegen. Meine Frau und ich haben unseren Weg erst gefunden, als ich aufgehört habe, von ihr eine Rolle zu erwarten, die sie nicht wollte. Seitdem ist unser Sexleben lebendiger als in vielen Jahren davor.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483
  3. Rees, G. (2019): Investigations into sexual fetishism: examining conceptualisations, practice, personal experience, and pathology. Dissertation, Macquarie University. doi:10.25949/19433471.v1

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