01 · Beziehungen & Sexualität

Einleitung

Ihr Nein gilt, und trotzdem musst du deinen Fetisch nicht verleugnen. Zwischen „Sie macht mit“ und „Ich muss es aufgeben“ gibt es mehr Möglichkeiten, als viele Paare im ersten Moment sehen. Der wichtigste Schritt ist, ihr Nein nicht als Urteil über dich zu verstehen und es auch nicht so zu behandeln.

02 · Beziehungen & Sexualität

Akzeptieren ist nicht dasselbe wie Mitmachen

Eine Partnerin kann deinen Schuh- oder Stiefelfetisch verstehen und respektieren, ohne selbst daran teilnehmen zu wollen. In meinem Buch beschreibe ich das als eine eigene Form von Integration. Der Fetisch hat dann einen Platz in eurer Beziehung, ohne aktiv Teil eures gemeinsamen Sexuallebens zu sein.

Das ist mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Es heißt, dass sie dich kennt, dass du dich nicht verstecken musst und dass ihr offen miteinander sprechen könnt. Für viele Männer mit Fetisch wäre allein das schon ein großer Schritt.

03 · Beziehungen & Sexualität

Was du mit deiner Enttäuschung machst

Natürlich darfst du enttäuscht sein. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllt, tut weh, besonders wenn er dir so wichtig ist. Entscheidend ist, wie du mit dieser Enttäuschung umgehst. Sie darf nicht zu einer Strafe für deine Partnerin werden, etwa durch Rückzug, Schmollen oder immer neues Nachfragen. Wer nach einem Nein weiter drängt, macht aus einer Einladung eine Forderung, und das beschädigt das Vertrauen zwischen euch.

Ich musste das selbst lernen. Über Jahre habe ich von meiner Frau erwartet, immer tiefer in eine BDSM-Welt einzutauchen, die sie gar nicht wollte. Erst als ich aufgehört habe, von ihr eine Rolle zu verlangen, die nicht ihre war, hat sich zwischen uns etwas zum Besseren verändert.

04 · Beziehungen & Sexualität

Dein Fetisch darf für dich bleiben

Wenn sie nicht teilnehmen möchte, heißt das nicht, dass dein Fetisch verschwinden muss. Du kannst ihn für dich allein leben, in deiner Fantasie oder bei der Selbstbefriedigung. Manche Paare lassen einen Fetisch bewusst im Hintergrund, und das ist ein legitimer Weg, solange er auf gegenseitigem Respekt beruht.

Dabei gelten ein paar klare Regeln. Ihre Schuhe und Stiefel gehören ihr. Benutze sie nicht ohne ihr Wissen und Einverständnis. Und wenn es um Online-Inhalte geht, sprecht darüber, was für euch beide in Ordnung ist, bevor aus Privatsphäre Heimlichkeit wird.

05 · Beziehungen & Sexualität

Was sie vielleicht doch mag

Ein Nein zum Mitmachen ist nicht unbedingt ein Nein zu allem. Vielleicht trägt sie ohnehin gern Stiefel, weil sie ihr gefallen. Dann darfst du dich an diesem Anblick freuen, ohne daraus eine Forderung zu machen. Vielleicht ist sie offen für eine kleine Geste zu einem besonderen Anlass, aber nicht für mehr. Frag sie, was für sie in Ordnung ist, und akzeptiere, was sie sagt. Manchmal öffnet genau diese Gelassenheit später neue Türen, manchmal nicht. Beides ist in Ordnung.

06 · Beziehungen & Sexualität

Die 50/50-Regel ist kein Tauschgeschäft

Ich spreche oft von der 50/50-Regel: In einer Beziehung sollten die Wünsche und Fantasien beider Raum bekommen. Das heißt aber nicht, dass man Zugeständnisse verrechnen kann nach dem Motto „Wenn ich deine Fantasie erfülle, musst du meine erfüllen“. Das wäre Druck in freundlicher Verpackung. Die Regel meint, dass ihr beide aufeinander achtet, nicht, dass jeder alles mitmachen muss.

07 · Beziehungen & Sexualität

Was die Forschung dazu sagt

In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia gab die Mehrheit der Menschen mit einem Objektfetisch an, auch ohne ihr Fetischobjekt sexuell erregt und aktiv zu sein. Die Befragten berichteten zudem sowohl von Momenten, die sie allein, als auch von solchen, die sie mit Partnerin oder Partner erlebten. Die Teilnehmenden hatten sich selbst gemeldet, verallgemeinern lässt sich das also nicht. Es zeigt aber, dass eine erfüllte Sexualität nicht davon abhängen muss, dass der Fetisch immer gemeinsam gelebt wird.

08 · Beziehungen & Sexualität

Wenn es dich dauerhaft unglücklich macht

Manchmal merkt man mit der Zeit, dass einem ein gemeinsam gelebter Fetisch doch sehr fehlt. Dann ist es wichtig, das ehrlich anzusprechen, statt es innerlich wachsen zu lassen. Eine Paar- oder Sexualtherapie kann helfen, gemeinsam zu klären, wie ihr beide zu eurem Recht kommt. Und manchmal zeigt sich dabei, dass es keine gemeinsame Mitte gibt. Auch das anzuerkennen, ohne einem die Schuld zu geben, ist ein Zeichen von Respekt.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483
  3. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): An investigation into the solitary and interpersonal aspects of sexual object fetishism: a mixed-methods approach. Psychology & Sexuality 8(4). doi:10.1080/19419899.2017.1383301

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