01 · Beziehungen und Sexualität

Einleitung

Offen, aber mit einem ehrlichen Blick auf beides: auf das, was du vermisst, und auf das, was nicht funktioniert hat. Wenn eine Partnerin deinen Fetisch geteilt oder zumindest mitgetragen hat, ist ihr Verlust doppelt schwer. Du vermisst den Menschen und zugleich ein Stück deiner Sexualität, das du mit ihr leben konntest. Dass die Gedanken daran hartnäckig sind, ist verständlich. Es gibt aber Wege, sie zu sortieren, ohne die Vergangenheit zu verklären.

02 · Beziehungen und Sexualität

Warum gerade diese Erinnerungen so stark sind

Erinnerungen, die mit Erregung verbunden sind, prägen sich oft besonders tief ein. In meinem Buch beschreibe ich Sexualität mit dem Bild der Libidose, einer Art Dose, in der sich alles sammelt, was uns erregt. Dort liegen nicht nur Füße oder Schuhe, sondern auch Menschen und Erlebnisse.

Ein Beispiel aus dem Buch: Ben, ein Mann mit ausgeprägtem Fußfetisch, denkt noch zwei Jahre nach der Trennung bei der Selbstbefriedigung an seine frühere Partnerin, die ihn verlassen hat. Sie ist ein fester Bestandteil seiner Libidose geworden. Das ist nicht ungewöhnlich. Was einmal darin liegt, lässt sich nicht einfach bewusst herausnehmen.

03 · Beziehungen und Sexualität

Warum man Verlorenes so leicht verklärt

Nach einer Trennung zeigt die Erinnerung oft vor allem die schönen Momente. Die Abende, an denen sie deine Lieblingsschuhe trug, die Nähe, das Gefühl, mit deinem Fetisch angenommen zu sein. Die Konflikte, die es vielleicht auch gab, verblassen dagegen schnell.

Gerade bei einem Fetisch kommt eine besondere Angst dazu: Werde ich je wieder jemanden finden, der das mit mir teilt? Diese Angst macht die Vergangenheit größer, als sie war, und die Zukunft kleiner, als sie sein muss.

04 · Beziehungen und Sexualität

Wie du darüber sprechen kannst

Es hilft, die Gedanken nicht allein im Kopf kreisen zu lassen. Ein paar Wege:

Achte darauf, bei wem du dich öffnest. Gemeinsame Freunde sind oft nicht die richtigen Ansprechpartner, weil sie euch beiden verbunden sind und intime Details sonst ungewollt die Runde machen. Diskretion schuldest du deiner früheren Partnerin genauso wie sie dir.

Eine Frage kann dabei helfen, nicht in die Verklärung zu rutschen: Vermisse ich diesen Menschen, oder vermisse ich vor allem das, was ich mit ihm leben konnte? Beides ist berechtigt. Aber es sind zwei verschiedene Arten von Verlust.

  • Mit einer Vertrauensperson. Du musst nicht jedes Detail erzählen. Es reicht zu sagen, dass dir nicht nur die Frau fehlt, sondern auch die Offenheit, die du mit ihr erlebt hast.
  • Mit einer Fachperson. In einer Beratung oder Therapie kannst du ohne Scham über alles sprechen, auch über die sexuellen Seiten deiner Trauer.
  • Mit dir selbst. Schreib auf, was du vermisst. Und schreib daneben, was nicht gepasst hat. Beide Seiten gehören zur Wahrheit.

05 · Beziehungen und Sexualität

Was du besser lässt

Ein paar Dinge verlängern das Grübeln eher, als dass sie helfen. Dazu gehört, die frühere Partnerin wegen deines Fetischs wieder zu kontaktieren, etwa mit der Bitte um Fotos oder ein Treffen. Das bringt euch beide in eine schwierige Lage.

Und ein Punkt ist nicht verhandelbar: Intime Fotos oder Videos, die in eurer Beziehung entstanden sind, gehören nicht dir allein. Sie dürfen niemals ohne ihr Einverständnis weitergegeben oder veröffentlicht werden. Wenn ihr keine andere Absprache getroffen habt, ist es fair, sie zu löschen oder zumindest nicht mehr anzusehen, wenn sie dich immer wieder zurückwerfen.

06 · Beziehungen und Sexualität

Was mit der Zeit geschieht

Die Libidose ist nicht starr. Manche Inhalte bleiben über Jahre, andere verlieren an Bedeutung oder verschwinden ganz von selbst. Fantasien und Personen, die mich in meiner Jugend beschäftigt haben, spielen heute überhaupt keine Rolle mehr. Ich habe sie nicht bewusst ausgetauscht. Sie sind einfach verblasst, während Neues hinzukam.

Das braucht Zeit, und du kannst es nicht erzwingen. Aber du kannst es fördern, indem du deinem Leben neue Inhalte gibst: neue Begegnungen, neue Erfahrungen, und irgendwann vielleicht eine neue Beziehung, in der du von Anfang an offen über deinen Fetisch sprichst.

07 · Beziehungen und Sexualität

Wann du dir Unterstützung holen solltest

Wenn die Gedanken nach vielen Monaten noch genauso stark sind, wenn sie deinen Alltag bestimmen oder wenn die Trauer in anhaltende Niedergeschlagenheit übergeht, ist ein Gespräch mit einer Fachperson aus der Psychotherapie sinnvoll. Trennungsschmerz ist keine Schwäche, und niemand muss ihn allein tragen.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.

Im Buch vertiefen

Von der Frage zur eigenen Geschichte.

„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.

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Bin ich normal?

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