01 · Beziehungen und Sexualität
Einleitung
Indem du deinen Geschmack als das beschreibst, was er ist: persönlich, veränderlich und kein Maßstab für andere. Viele Menschen mit Schuhfetisch schämen sich nicht nur für den Fetisch selbst, sondern auch für die Art Schuhe, die sie reizt, weil sie ihnen zu grell, zu billig, zu extrem oder einfach „unpassend“ erscheint. Und manche Partnerinnen schämen sich umgekehrt, weil ihre eigenen Schuhe nicht dem zu entsprechen scheinen, was ihn anspricht. In beiden Fällen gilt: Geschmack ist kein Urteil über einen Menschen.
02 · Beziehungen und Sexualität
Warum gerade der Geschmack beschämen kann
Schuhe sind mehr als Gebrauchsgegenstände. Sie gelten als Ausdruck von Stil, Status und Persönlichkeit. Wer bestimmte Schuhe erregend findet, die gesellschaftlich als „billig“, „übertrieben“ oder „nicht elegant“ gelten, fühlt sich schnell doppelt bloßgestellt: einmal wegen des Fetischs und einmal wegen des Geschmacks.
Dazu kommt, dass die Vorlieben innerhalb des Schuhfetischismus sehr unterschiedlich sind. Manche reizen hohe Absätze, andere Stiefel, Ballerinas oder Sneaker. Für einige ist das Material entscheidend, für andere das Design oder der Zustand. Es gibt keine Rangordnung, welcher Geschmack der „bessere“ Fetisch ist.
03 · Beziehungen und Sexualität
Mein eigener Geschmack hat sich stark verändert
Mit Anfang zwanzig reizten mich einfache, günstige High Heels, wie man sie damals in jedem Schuhgeschäft für wenig Geld bekam. Später wurde ich Modefotograf und arbeitete mit Schuhen großer Designer. Nach und nach verloren die billigen Schuhe ihren Reiz, und heute erregen mich vor allem hochwertige Designerschuhe.
Ich erzähle das nicht, weil der eine Geschmack besser wäre als der andere. Ich erzähle es, weil es zeigt, wie stark Geschmack von Erfahrungen und Umgebung geprägt ist. Was dich heute reizt, sagt nichts über deinen Wert und nichts über deine Kultiviertheit aus. Und es kann sich verändern.
04 · Beziehungen und Sexualität
Wenn du den Fetisch hast
Wenn du dich für die Art Schuhe schämst, die dich anspricht, kann es helfen, im Gespräch mit deiner Partnerin bei der Wirkung anzufangen statt beim Objekt. Nicht „Ich stehe auf diese knallroten Lackpumps“, sondern „Mich fasziniert, wie eine Frau in hohen Schuhen geht und wie selbstbewusst sie dabei wirkt“. Der Schuh ist meist nur der Auslöser. Die eigentliche Erregung entsteht in der Geschichte, die sich im Kopf dazu entspinnt.
Und wenn es um einen ganz bestimmten Schuh geht, darfst du das auch ohne Rechtfertigung sagen. Ein Satz wie „Ich weiß, das ist nicht jedermanns Geschmack, aber diese Schuhe reizen mich“ nimmt dem Thema die Schwere.
05 · Beziehungen und Sexualität
Wenn du dich als Partnerin für deine Schuhe schämst
Vielleicht trägst du lieber flache, bequeme Schuhe, und er schwärmt von High Heels. Vielleicht passt dein Stil so gar nicht zu dem, was ihn anspricht. Das kann das Gefühl erzeugen, nicht zu genügen. Hier hilft ein Gedanke: Schuhe sind für dich ein Stück Identität. Sie drücken aus, wer du bist und wie du dich wohlfühlst. Dein Stil ist nicht verhandelbar, nur weil er einen Fetisch hat.
Wenn ihr gemeinsam ein Paar Schuhe aussucht, das euch beiden gefällt, kann das ein schönes Spiel sein. Aber nur, wenn es von dir kommt. Offenheit für seinen Fetisch ist eine Einladung, keine Verpflichtung.
06 · Beziehungen und Sexualität
Wie ihr Kleidung aus der Bewertung heraushaltet
Ein paar Grundsätze helfen, damit Schuhe und Kleidung nicht zum Streitpunkt werden:
- Keine Kommentare über den Stil des anderen im Alltag. Was jemand im Büro oder beim Einkaufen trägt, ist seine Sache.
- Wünsche statt Kritik. „Ich fände es schön, wenn du …“ statt „Du ziehst immer so langweilige Schuhe an“.
- Keine Vergleiche. Weder mit anderen Frauen noch mit Bildern aus dem Netz.
- Beide Geschmäcker ernst nehmen. Ihr Stil und sein Fetisch haben beide ihre Berechtigung.
07 · Beziehungen und Sexualität
Was bleibt
Geschmack ist persönlich, und er verändert sich. Wer sich für seinen Geschmack schämt, übernimmt oft fremde Bewertungen. Du darfst mögen, was dich reizt, und deine Partnerin darf tragen, was ihr gefällt. Zwischen beidem gibt es mehr Platz, als die Scham einem glauben machen will.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
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