01 · Fetische

Einleitung

Beim Fußfetisch steht der Körper im Mittelpunkt, beim Schuhfetisch ein Gegenstand. So einfach lässt sich der Unterschied auf dem Papier beschreiben. In der Praxis überschneiden sich beide oft, und viele Menschen reagieren auf beides. Wenn du herausfinden möchtest, wo dein eigener Schwerpunkt liegt, helfen ein direkter Vergleich und ein paar kleine Gedankenexperimente.

02 · Fetische

Die beiden im Vergleich

Die folgende Übersicht zeigt typische Unterschiede. Nicht jedes Merkmal trifft auf jeden Menschen zu, und die Übergänge sind fließend:

In der Fachliteratur wird der Fußfetisch auch Podophilie genannt. Früher wurde in den Diagnosehandbüchern zudem unterschieden, ob sich ein Fetisch auf einen Körperteil oder auf einen Gegenstand richtet. Heute spielt diese Unterscheidung für die Einordnung keine große Rolle mehr, für das eigene Verständnis kann sie aber hilfreich sein.

  • Worum geht es? Fußfetisch: Um den Fuß als Teil des Körpers; Schuhfetisch: Um den Schuh als eigenständigen Reiz.
  • Was reizt häufig? Fußfetisch: Form, Proportion, Haut, Bewegung, Berührung, manchmal Geruch; Schuhfetisch: Form, Material, Absatzhöhe, Design, Marke, Zustand.
  • Welche Rolle spielt die Person? Fußfetisch: Der Fuß gehört untrennbar zu ihr; Schuhfetisch: Bei manchen erst am Menschen reizvoll, bei anderen schon als Objekt.
  • Wie wird er erlebt? Fußfetisch: Oft über Berührung, Massage, Küssen; Schuhfetisch: Oft über den Anblick, die Wirkung auf Haltung und Gang.
  • Welche Verbindung zu Macht? Fußfetisch: Möglich, etwa bei Fußverehrung; Schuhfetisch: Häufig, weil Schuhe Präsenz und Dominanz sichtbar machen.

03 · Fetische

Warum sich beides so oft verbindet

Dass Fuß- und Schuhfetisch so häufig gemeinsam auftreten, ist kein Zufall. Schuhe und Strümpfe verstärken die Wirkung von Füßen, verändern sie oder setzen sie in einen bestimmten Zusammenhang. Ein hoher Absatz spannt den Fuß und verändert die Haltung, ein Stiefel umschließt ihn. Auch in einer Auswertung von 381 Online-Diskussionsgruppen aus dem Jahr 2007 bildeten Füße und die dazugehörigen Gegenstände wie Schuhe und Socken zusammen die sichtbarste Kategorie.

04 · Fetische

Kleine Gedankenexperimente

Wenn du unsicher bist, wo du dich wiederfindest, probier einmal Folgendes in Gedanken aus. Beobachte dabei ehrlich, was dich anspricht:

Wer vor allem beim nackten Fuß und bei der Berührung reagiert, hat eher einen Fußfetisch. Wer vor allem auf Schuhe, ihr Material und ihre Wirkung reagiert, eher einen Schuhfetisch. Und wer bei fast allen Fragen „beides“ antwortet, ist damit in guter Gesellschaft.

  • Barfuß oder im Schuh? Stell dir denselben Fuß einmal nackt und einmal in einem eleganten Schuh vor. Welches Bild wirkt stärker?
  • Im Regal oder am Menschen? Stell dir einen Schuh vor, der im Schaufenster steht, und denselben Schuh an einer Frau, die gerade durch den Raum geht. Reizt dich schon das Objekt, oder erst die Person, die es trägt?
  • Neu oder getragen? Für manche Menschen mit Schuhfetisch müssen Schuhe neu und teuer sein, für andere gerade getragen und abgelaufen.
  • Ansehen oder berühren? Liegt der Reiz eher im Anblick oder in der Berührung?
  • Und dazwischen? Wie wirken Strümpfe, Nylons oder Socken auf dich? Sie liegen genau zwischen Körper und Objekt und sind für manche besonders reizvoll.

05 · Fetische

Mein eigener Schwerpunkt

Ich spreche selbst von meinem Fuß- und Schuhfetisch, aber bei mir stehen die Schuhe klar im Vordergrund. Genauer gesagt: Schuhe an einer Frau. Ein Verkaufsfoto meiner Lieblingsschuhe lässt mich völlig kalt. Dieselben Schuhe an einer selbstbewussten Frau lösen sofort eine Fantasie aus. Mein Schuhfetisch braucht also einen Menschen.

Mein Geschmack hat sich zudem im Lauf der Jahre verändert. Mit Anfang zwanzig reizten mich einfache High Heels, später durch meine Arbeit in der Modefotografie vor allem Designerschuhe. Irgendwann kamen sogar Cowboystiefel an meinen eigenen Füßen dazu. Wo dein Schwerpunkt heute liegt, muss also nicht für immer so bleiben.

06 · Fetische

Warum die Unterscheidung nützlich sein kann

Zu wissen, ob es eher Füße, eher Schuhe oder beides sind, hilft vor allem im Gespräch mit einer Partnerin. Wer sagen kann „Mich reizen deine Füße, wenn du barfuß bist“ oder „Mich reizen deine Stiefel, wenn du sie trägst“, macht es ihr leichter zu verstehen, worum es geht. Unklare Andeutungen wirken dagegen oft größer und bedrohlicher, als sie gemeint sind.

Eine feste Einordnung brauchst du aber nicht. Fuß- und Schuhfetisch gehören zu einem gemeinsamen, breiten Spektrum. Ob du dich eher an einem Ende oder irgendwo in der Mitte wiederfindest, ist keine Frage von richtig oder falsch.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Kafka, M. P. (2010): The DSM Diagnostic Criteria for Fetishism. Archives of Sexual Behavior 39(2). doi:10.1007/s10508-009-9558-7
  3. Scorolli, C. et al. (2007): Relative prevalence of different fetishes. International Journal of Impotence Research 19(4), 432–437. doi:10.1038/sj.ijir.3901547

Im Buch vertiefen

Von der Frage zur eigenen Geschichte.

„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.

Das deutsche Buch ansehen
Bin ich normal?

Dieser Beitrag darf Kreise ziehen

Gutes Wissen wird stärker, wenn es geteilt wird.

Verlinke diesen Originalartikel als weiterführende Quelle – mit einem Klick kopierst du die eindeutige Adresse.