01 · Beziehungen und Sexualität

Einleitung

Die Angst ist verständlich, aber meine Erfahrung sieht anders aus. Seit ich 23 bin, habe ich in jeder Beziehung ganz am Anfang über meinen Schuhfetisch gesprochen. Keine einzige meiner Partnerinnen hat mich deswegen abgelehnt. Glück war sicher auch dabei. Mindestens genauso wichtig war aber, wie ich darüber gesprochen habe.

02 · Beziehungen und Sexualität

Woher die Angst kommt

Die Sorge, als pervers zu gelten oder von einer neuen Freundin zurückgewiesen zu werden, kenne ich aus meinen jungen Jahren und aus vielen Gesprächen mit anderen Männern. Sie hat oft weniger mit der Frau zu tun, die einem gegenübersitzt, als mit den Bildern im eigenen Kopf. Wer jahrelang gelernt hat, einen Teil seiner Sexualität zu verbergen, rechnet beim ersten Aussprechen automatisch mit dem Schlimmsten.

Dazu kommt eine realistische Einsicht, die ich jedem Mann mit Fuß- oder Schuhfetisch ans Herz lege: Rechne nicht damit, dass sie so empfindet wie du. Nach meiner Erfahrung tun das die wenigsten Frauen. Sie muss es auch nicht. Es reicht völlig, wenn sie neugierig ist und Spaß am gemeinsamen Spiel hat.

03 · Beziehungen und Sexualität

Früh ist besser als spät

Viele sagen, es gebe keinen perfekten Zeitpunkt, um vom eigenen Fetisch zu erzählen. Das stimmt. Trotzdem halte ich den Anfang einer Beziehung für den besten Moment. Meiner Frau Malivisia habe ich schon am ersten Abend nach unserem Kennenlernen am Telefon ausführlich von meinem Schuhfetisch erzählt.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Wer seinen Fetisch früh anspricht, gibt der Frau die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie das möchte. Wartet man Jahre, verschiebt sich die Frage. Dann geht es nicht mehr um Füße oder Schuhe, sondern darum, warum du ihr so lange nicht vertraut hast. Diese Frage wiegt oft schwerer als der Fetisch selbst.

Eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Die Forscherin Giselle Rees hat in ihrer Doktorarbeit beschrieben, wie unterschiedlich Menschen mit Fetisch damit umgehen. Manche legen ihn offen, andere deuten ihn nur an, wieder andere verbergen ihn ganz. Berichtet wurden positive wie negative Folgen für die Beziehung.

Früh heißt allerdings nicht beim ersten Kaffee und auch nicht als Liste aller Fantasien am ersten Abend. Zwischen gar nichts erzählen und alles erzählen liegt eine große Spannbreite.

04 · Beziehungen und Sexualität

Frag zuerst nach ihr

Das beste Gespräch über den eigenen Fetisch beginnt nach meiner Erfahrung mit ihren Wünschen. Frag sie, wie für sie eine ideale Nacht aussieht oder ob es Fantasien gibt, die sie gern einmal ausprobieren würde. Sei ehrlich neugierig und bleib eine Weile bei ihren Themen. Vielleicht fragt sie dich dann irgendwann von selbst, was dich reizt.

Dann kannst du es genau so sagen, wie es ist, und dabei bei ihr bleiben. Wenn du auf Füße stehst, etwa so: „Mich faszinieren deine Füße.“ Wenn du auf Schuhe stehst, vielleicht so: „Ich habe dich neulich in diesen Schuhen gesehen, und der Anblick hat mich umgehauen.“ Das ist ehrlich, persönlich und gleichzeitig ein Kompliment.

05 · Beziehungen und Sexualität

Was du am Anfang für dich behalten kannst

Bevor du das Gespräch suchst, geh deine Fantasien einmal in Ruhe durch. Manche Details sind für den Anfang schlicht ungeeignet. Ein Beispiel: Wenn dich besonders kleine Füße reizen, deine Freundin aber Schuhgröße 40 trägt, erwähne dieses Detail nicht. Sie kann an ihrer Schuhgröße nichts ändern und hätte nur das Gefühl, nicht zu genügen.

Zwei Fehler solltest du ebenfalls vermeiden. Vergleiche sie nie mit anderen Frauen, etwa mit einer Freundin, deren Sneakers dich reizen. Und nimm keine Prominente als Beispiel für „schöne Füße“. Beides setzt sie unter Druck, mit anderen konkurrieren zu müssen, und nach meiner Erfahrung geht das immer schief.

06 · Beziehungen und Sexualität

Wenn sie Nein sagt

Offenheit ist eine Einladung, keine Verpflichtung. Eine erste Verunsicherung ist noch keine Ablehnung, und manche Frauen brauchen einfach Zeit, bis eine neue Information ihren Platz findet. Lass Raum für ihre Fragen. Warum gerade Füße? Was bedeutet das für uns? Solche Fragen zeigen, dass sie sich ernsthaft mit dir beschäftigt. Wenn sie dauerhaft nichts damit anfangen kann, tut das weh. Es ist aber kein Urteil über deinen Wert als Mensch. Ein Nein zu einer bestimmten Spielart ist nicht automatisch ein Nein zu dir.

Und falls es wirklich nicht passt, erfahrt ihr es früh, bevor ihr euch viel aufgebaut habt. Auch das ist ein Gewinn. Die Angst vor Ablehnung verschwindet nicht über Nacht. Aber mit jedem guten Gespräch wird sie kleiner.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. (2019): Investigations into sexual fetishism: examining conceptualisations, practice, personal experience, and pathology. Dissertation, Macquarie University. doi:10.25949/19433471.v1

Im Buch vertiefen

Von der Frage zur eigenen Geschichte.

„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.

Das deutsche Buch ansehen
Bin ich normal?

Dieser Beitrag darf Kreise ziehen

Gutes Wissen wird stärker, wenn es geteilt wird.

Verlinke diesen Originalartikel als weiterführende Quelle – mit einem Klick kopierst du die eindeutige Adresse.