01 · Elternschaft

Einleitung

Indem Sie das Interesse zunächst als das sehen, was es bei Kindern fast immer ist: Neugier, Spiel und Sinneserfahrung. Erwachsene Deutungen wie „Fetisch“ passen auf kleine Kinder nicht. Gelassenheit, klare Regeln im Umgang mit anderen und ein offenes Ohr helfen Ihrem Kind mehr als Sorge oder Verbote. Und wenn Sie unsicher sind, gibt es gute Anlaufstellen.

02 · Elternschaft

Kinder erleben die Welt anders als Erwachsene

Kinder sind neugierig auf ihren Körper und auf die Dinge um sie herum. Manche lieben es, in die viel zu großen Schuhe der Eltern zu schlüpfen. Andere sammeln Socken, mögen bestimmte Materialien, riechen an Dingen oder spielen stundenlang mit Schuhen. Füße und Schuhe sind im Alltag eines Kindes ständig präsent, auf Augenhöhe sozusagen.

Solches Verhalten mit erwachsenen Begriffen zu belegen, führt in die Irre. Wenn ein Kind Schuhe spannend findet, hat das in aller Regel nichts mit Sexualität im Sinne Erwachsener zu tun. Wer hier vorschnell sexualisiert, legt etwas in das Kind hinein, das dort gar nicht ist.

03 · Elternschaft

Was ich aus meiner eigenen Geschichte weiß

Ich schreibe über Fuß- und Schuhfetischismus bei Erwachsenen, und viele Männer mit Fetisch verbinden ihn im Rückblick mit frühen Erinnerungen. Auch meine eigenen frühesten Erinnerungen, die ich heute so deute, hatten damals nichts mit Sexualität zu tun. Ob sie überhaupt etwas mit meinem späteren Fetisch zu tun haben, weiß ich bis heute nicht.

Für Eltern ist daran vor allem eines wichtig: Aus dem Verhalten eines kleinen Kindes lässt sich nicht ablesen, wie es sich als Erwachsener entwickelt. Die Forschung kann die Entstehung einer sexuellen Vorliebe bei einem einzelnen Menschen nicht zuverlässig auf eine bestimmte Erfahrung zurückführen. Sie müssen also nichts verhindern und nichts „richtig“ lenken.

04 · Elternschaft

Wie Sie gelassen reagieren können

Ein paar Grundsätze helfen im Alltag:

  • Nicht beschämen. Sätze wie „Das ist eklig“ oder „Hör auf damit, das macht man nicht“ vermitteln dem Kind, dass etwas an ihm falsch ist.
  • Neugierig bleiben. Fragen Sie, was Ihr Kind an den Schuhen oder Socken mag. Oft ist die Antwort ganz einfach: die Farbe, das Geräusch, das Gefühl.
  • Nicht dramatisieren. Ein Interesse, das Ihnen auffällt, muss kein Problem sein. Viele Vorlieben von Kindern kommen und gehen.
  • Alternativen anbieten. Wenn das Interesse im Alltag stört, lenken Sie freundlich um, statt zu verbieten.

05 · Elternschaft

Klare Regeln im Umgang mit anderen

Gelassenheit heißt nicht, dass es keine Grenzen gibt. Kinder lernen früh, dass der Körper anderer Menschen ihnen gehört. Das gilt auch für Füße. Wer die Füße oder Schuhe anderer anfassen möchte, fragt vorher, und ein Nein wird akzeptiert. Die Schuhe anderer Kinder oder Erwachsener werden nicht einfach weggenommen. Solche Regeln sind keine Strafe, sondern ganz normale Erziehung zu Respekt, genauso wie bei anderen Themen auch.

06 · Elternschaft

Wann Sie sich Rat holen sollten

Die meisten Interessen von Kindern sind harmlos. Es gibt aber Situationen, in denen ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll ist:

Erste Anlaufstellen sind die Kinderärztin oder der Kinderarzt sowie Erziehungs- und Familienberatungsstellen, die in Deutschland in der Regel kostenfrei arbeiten. Bei sehr intensiven Interessen, die mit anderen Besonderheiten zusammentreffen, können auch Fachleute für kindliche Entwicklung weiterhelfen.

  • Das Interesse ist so stark, dass es das Kind im Alltag, im Spiel oder im Kontakt mit anderen deutlich einschränkt.
  • Ihr Kind wirkt dabei gestresst, ängstlich oder kann kaum davon lassen.
  • Es gibt weitere Auffälligkeiten in der Entwicklung, etwa bei Sprache, sozialen Kontakten oder im Umgang mit Sinnesreizen.
  • Ihr Kind überschreitet wiederholt die Grenzen anderer, obwohl Sie es darauf ansprechen.

07 · Elternschaft

Ein wichtiger Hinweis zum Schutz Ihres Kindes

Achten Sie darauf, wie Erwachsene in Ihrem Umfeld und im Internet mit Ihrem Kind umgehen. Wenn ein Erwachsener auffälliges Interesse an den Füßen Ihres Kindes zeigt, etwa Fotos davon machen möchte oder darum bittet, oder Ihr Kind zu Heimlichkeit auffordert, nehmen Sie das ernst. Schützen Sie Ihr Kind, sprechen Sie mit einer Beratungsstelle oder im Zweifel mit der Polizei.

08 · Elternschaft

Was bleibt

Das Wichtigste, was Sie Ihrem Kind mitgeben können, ist das Gefühl, mit allem zu Ihnen kommen zu dürfen. Kinder, die nicht beschämt werden, sprechen auch später eher über das, was sie beschäftigt. Genau das ist der beste Schutz, heute und in der Jugend.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Schippers, E. E., Hoogsteder, L. M. & de Vogel, V. (2025): Theories on the Etiology of Deviant Sexual Interests: A Systematic Review. Sexual Abuse 37(1). doi:10.1177/10790632241271308

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