01 · Psychische Gesundheit

Einleitung

Immer dann, wenn die Gedanken so sehr belasten, dass der Alltag darunter leidet, oder wenn Grenzen in Gefahr geraten. Ein Interesse allein ist kein Grund zur Sorge. Leidensdruck, Rückzug oder Situationen, in denen andere Menschen betroffen sind, schon. Dieser Artikel richtet sich an Jugendliche und an Eltern. Es geht darin nicht um Sexualität im Einzelnen, sondern darum, wann und wo man Unterstützung findet.

02 · Psychische Gesundheit

Für dich, wenn du jugendlich bist

Vielleicht hast du gemerkt, dass Füße oder Schuhe für dich eine besondere Rolle spielen, und das verunsichert dich. Zuerst: Gedanken zu haben ist nicht schlimm. Du musst nichts damit tun, und du musst niemandem Einzelheiten erzählen, wenn du das nicht möchtest. Viele Männer mit einem Fuß- oder Schuhfetisch berichten, dass er sich schon in ihrer Jugend gezeigt hat. Auch bei mir war das so. Ich habe damals mit niemandem darüber gesprochen.

Es ist sinnvoll, mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle zu sprechen, wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft:

Ganz wichtig: Wenn dich Erwachsene im Internet nach Fotos deiner Füße fragen oder dir dafür Geld oder Geschenke anbieten, ist das ein Warnsignal. Brich den Kontakt ab, schick nichts und sprich mit einer Person, der du vertraust. Du hast in so einer Situation nichts falsch gemacht, auch wenn du schon geantwortet hast.

Eine Vertrauensperson kann ein Elternteil sein, eine Lehrerin, ein Schulsozialarbeiter oder jemand aus einer Beratungsstelle. In Deutschland erreichst du das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer kostenlos und anonym unter 116 111. Wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, warte nicht: Ruf dort an oder wähle in einer akuten Notlage die 112.

  • Die Gedanken machen dich sehr traurig, ängstlich oder beschämt, und das geht nicht vorbei.
  • Du schläfst schlecht, kannst dich in der Schule kaum konzentrieren oder ziehst dich von Freunden zurück.
  • Du hast das Gefühl, bestimmte Dinge tun zu müssen, obwohl du das nicht willst.
  • Du merkst, dass du Grenzen anderer überschreiten könntest, zum Beispiel indem du Dinge wegnimmst, heimlich fotografierst oder jemanden ungefragt berührst.

03 · Psychische Gesundheit

Für Sie als Eltern

Vielleicht haben Sie etwas entdeckt, das Sie beunruhigt: einen Suchverlauf, verschwundene Schuhe, eine Bemerkung. Ihre erste Reaktion ist entscheidend dafür, ob Ihr Kind sich Ihnen anvertraut. Ein paar Grundsätze helfen dabei:

Im Internet finden sich klinische Fallberichte über Jugendliche mit einem Fußfetisch. Solche Berichte beschreiben etwa einen Jugendlichen mit Autismus und einem Verhalten, das in seinem Alltag große Schwierigkeiten machte. Mit einem Interesse, das ein Jugendlicher still für sich bemerkt, lassen sie sich nicht vergleichen.

  • Ruhig bleiben. Ein Interesse, das sich in der Jugend zeigt, ist für sich genommen kein Hinweis auf eine Störung. Die Weltgesundheitsorganisation führt Fetischismus seit 2022 nicht mehr als eigene Diagnose.
  • Nicht beschämen oder bestrafen. Für Gedanken und Gefühle kann niemand etwas. Strafen machen vor allem eines: Schweigen.
  • Nach dem Befinden fragen, nicht nach Details. „Wie geht es dir damit?“ ist hilfreicher als ein Verhör.
  • Privatsphäre respektieren. Jugendliche haben ein Recht darauf, nicht jede Einzelheit ihres Innenlebens offenlegen zu müssen.
  • Grenzen klar benennen. Wenn andere Menschen betroffen sind, etwa durch heimliche Fotos oder weggenommene Dinge, muss das angesprochen werden, ruhig, aber deutlich.

04 · Psychische Gesundheit

Wo Familien vertrauliche Hilfe finden

Anlaufstellen sind Erziehungs- und Familienberatungsstellen, die in Deutschland in der Regel kostenfrei arbeiten, Beratungsstellen von pro familia sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten. Auch die Kinderärztin oder der Hausarzt kann ein erster Schritt sein. Für Jugendliche selbst ist die Nummer gegen Kummer ein niedrigschwelliger Einstieg.

Sofort handeln sollten Sie, wenn Ihr Kind Gedanken äußert, sich etwas anzutun, wenn Grenzen anderer verletzt wurden oder wenn Sie den Verdacht haben, dass Erwachsene Ihr Kind im Netz zu Fotos oder Treffen drängen. Im letzten Fall können Sie sich auch an die Polizei wenden.

05 · Psychische Gesundheit

Was ich Jugendlichen und Eltern mitgeben möchte

Ein Interesse, das früh auftaucht, ist kein Makel und kein Schicksal. Was jungen Menschen am meisten hilft, ist das Gefühl, damit nicht allein zu sein und ohne Angst über ihr Befinden sprechen zu können. Eltern, die ruhig bleiben und zuhören, sind dabei die wichtigste Unterstützung.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
  3. Hodges, A., Wilder, D. A. & Ertel, H. (2020): Assessment and Treatment of a Foot Fetish Exhibited by an Adolescent With Autism. Behavior Analysis in Practice 13(4). doi:10.1007/s40617-020-00468-1
  4. Nummer gegen Kummer e. V.: Kinder- und Jugendtelefon. nummergegenkummer.de
  5. pro familia Bundesverband: Beratung. profamilia.de

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