01 · Jugend & Sexualität
Einleitung
Nein. Eine Vorliebe für Füße oder Schuhe ist kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt, auch nicht, wenn du sie schon als Jugendlicher bemerkst. Du musst dich deswegen weder krank noch falsch fühlen. Wichtig ist nur, wie es dir damit geht. Dieser Text richtet sich an dich, wenn du jung bist und dir genau diese Frage stellst.
02 · Jugend & Sexualität
Was eine Störung eigentlich ist
Das Wort „Störung“ klingt schnell bedrohlich. In der Medizin hat es aber eine ziemlich klare Bedeutung. Die Weltgesundheitsorganisation führt Fetischismus seit 2022 nicht mehr als eigene Diagnose. Ob etwas als Störung gilt, hängt nicht davon ab, was jemanden anspricht. Es hängt davon ab, ob jemand stark darunter leidet oder ob anderen Menschen geschadet wird.
Das gilt für Erwachsene genauso wie für Jugendliche. Ein Interesse, das du still für dich bemerkst und das dich nicht quält, ist keine Krankheit. Es ist ein Teil davon, dich selbst kennenzulernen.
03 · Jugend & Sexualität
Anders ist nicht falsch
Vielleicht hast du den Eindruck, dass deine Freunde ganz andere Dinge interessant finden als du. Das kann sich einsam anfühlen. Aber Menschen sind sehr verschieden, auch in dem, was sie anzieht. Nur spricht kaum jemand offen darüber, besonders nicht in der Jugend. Deshalb wirkt es oft so, als wärst du der Einzige.
Viele Erwachsene mit einem Fuß- oder Schuhfetisch berichten, dass sie ihn zum ersten Mal in ihrer Jugend bemerkt haben. Ich bin einer von ihnen. Ich lebe seit meiner Jugend mit meinem Fetisch, bin seit vielen Jahren verheiratet und habe eine Familie. Anders zu empfinden als die Mehrheit bedeutet nicht, falsch zu sein.
04 · Jugend & Sexualität
Drei Dinge, die du wissen solltest
- Du hast dir das nicht ausgesucht. Niemand entscheidet sich bewusst dafür, was ihn anspricht. Deshalb gibt es auch keinen Grund für Schuldgefühle.
- Es muss nicht für immer so bleiben. Was dich heute beschäftigt, kann in ein paar Jahren eine ganz andere Rolle spielen. Vieles verändert sich mit der Zeit.
- Es bestimmt nicht, wer du bist. Du bist viel mehr als das, was dich anzieht: deine Freundschaften, deine Interessen, deine Art zu lachen, deine Werte.
05 · Jugend & Sexualität
Was du nicht tun musst
Du musst niemandem davon erzählen, wenn du das nicht möchtest. Du musst dich nicht selbst testen oder ständig beobachten, ob das Interesse noch da ist. Und du musst mit deinen Gedanken nichts tun. Gedanken und Gefühle sind privat, und sie gehören dir.
06 · Jugend & Sexualität
Wann es gut ist, mit jemandem zu reden
Auch wenn eine Vorliebe keine Störung ist, kann sie dich belasten. Dann ist es richtig, dir Unterstützung zu holen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn du dich deswegen oft sehr schlecht fühlst, dich zurückziehst, nicht mehr gut schlafen oder dich in der Schule konzentrieren kannst oder wenn du merkst, dass du die Grenzen anderer überschreiten könntest. Wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, warte bitte nicht und hol dir sofort Hilfe.
07 · Jugend & Sexualität
Ein Wort zur Sicherheit im Netz
Wenn Erwachsene dich im Internet nach Fotos deiner Füße fragen, dir dafür etwas anbieten oder dich bitten, niemandem davon zu erzählen, ist das ein ernstes Warnsignal. Brich den Kontakt ab und sprich mit einer Person, der du vertraust. Du hast in so einer Situation nichts falsch gemacht.
08 · Jugend & Sexualität
Wo du Hilfe findest
Du kannst mit einem Elternteil sprechen, mit einer Vertrauenslehrerin oder jemandem aus der Schulsozialarbeit. Wenn du lieber anonym bleibst, erreichst du das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer in Deutschland kostenlos unter 116 111. Beratungsstellen wie pro familia bieten ebenfalls vertrauliche Gespräche für junge Menschen an. In einer akuten Notlage wählst du die 112.
Du musst niemandem Einzelheiten erzählen, wenn du nicht möchtest. Es reicht zu sagen, dass dich etwas beschäftigt, über das du dich schämst.
09 · Jugend & Sexualität
Was ich dir mitgeben möchte
Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass die Frage „Bin ich normal?“ oft die falsche ist. Hilfreicher ist die Frage, wie es dir geht und wie du gut mit dir selbst umgehen kannst. Du bist nicht krank und nicht falsch. Du bist ein junger Mensch, der gerade herausfindet, wer er ist. Das braucht Zeit, und du darfst dir diese Zeit nehmen.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
- Nummer gegen Kummer e. V.: Kinder- und Jugendtelefon. nummergegenkummer.de
- pro familia Bundesverband: Beratung. profamilia.de
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
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