01 · Sexualität
Einleitung
Wahrscheinlich eher eine erotische Vorliebe, die an deine Partnerin gebunden ist, als einen Fetisch im engeren Sinn. Das ist allerdings keine feste Regel, und du musst dich auch nicht festlegen. Wenn dich vor allem die Füße eines bestimmten Menschen anziehen, spricht viel dafür, dass es dabei mehr um diesen Menschen geht als um Füße an sich. Das ist nichts Besorgniserregendes. Es ist eher etwas Schönes.
02 · Sexualität
Warum die Frage überhaupt aufkommt
Das Wort „Fetisch“ wird im Alltag sehr großzügig verwendet. Wer im Netz liest, dass jemand Füße mag, stößt schnell auf die Bezeichnung Fußfetisch, oft verbunden mit Witzen oder Klischees. Kein Wunder, dass viele sich fragen, ob sie jetzt auch dazugehören. Dabei lohnt ein genauerer Blick, denn nicht jede erotische Aufmerksamkeit für einen Körperteil ist gleich ein Fetisch.
03 · Sexualität
Was einen Fetisch meistens ausmacht
In meinem Buch unterscheide ich zwischen Vorliebe, Fantasie und Fetisch. Ein Fetisch ist in der Regel stabil, begleitet einen Menschen über lange Zeit und kann eine zentrale Funktion für die Erregung übernehmen. Oft wirkt er auch über eine einzelne Person hinaus. Wer einen ausgeprägten Fußfetisch hat, nimmt Füße häufig auch im Alltag wahr, auf der Straße, in Filmen, bei fremden Menschen, unabhängig davon, ob er sie gut kennt.
Eine Vorliebe dagegen erweitert die Sexualität. Sie ist angenehm, aber nicht zwingend nötig, und sie kann sehr eng an einen bestimmten Menschen oder eine bestimmte Situation gebunden sein.
04 · Sexualität
Was dafür spricht, dass es um die Person geht
Wenn dich nur die Füße deiner Partnerin reizen, fehlt ein wichtiges Merkmal vieler Fetische: die Unabhängigkeit von der Person. Dann ist es vermutlich weniger der Fuß, der dich anspricht, als die Frau, zu der er gehört. Ihre Nähe, ihre Vertrautheit, ihre Art, sich zu bewegen. Der Fuß ist dann ein Teil dessen, was du an ihr liebst, so wie andere den Nacken, die Hände oder die Stimme ihrer Partnerin besonders mögen.
Interessanterweise ist genau das etwas, das ich Männern mit ausgeprägtem Fetisch oft rate: den Fetisch auf die Partnerin zu beziehen. Nicht Füße im Allgemeinen, sondern ihre. Bei dir scheint das von ganz allein so zu sein.
05 · Sexualität
Menschen in der Libidose
In meinem Buch beschreibe ich Sexualität mit dem Bild der Libidose, einer Art Dose, in der sich alles sammelt, was einen Menschen erregt. Darin liegen nicht nur Körperteile und Gegenstände, sondern auch bestimmte Menschen. Manchmal ist es eine frühere Partnerin, manchmal die heutige. Dass die Füße deiner Partnerin für dich eine besondere Rolle spielen, passt genau in dieses Bild: Sie ist Teil deiner Libidose, und ihre Füße gehören dazu.
06 · Sexualität
Kann sich daraus ein Fetisch entwickeln?
Möglich ist vieles. Sexuelle Vorlieben können sich im Lauf des Lebens verändern, verstärken oder abschwächen. Als Erwachsene beeinflussen wir durch Wiederholung, welche Inhalte in unserer Sexualität an Gewicht gewinnen. Es wäre also denkbar, dass deine Vorliebe sich mit der Zeit ausweitet. Genauso gut kann sie bleiben, wie sie ist. Beides ist in Ordnung, und keines davon ist ein Grund zur Sorge.
07 · Sexualität
Brauchst du ein Etikett?
Nicht unbedingt. Ob du von einer Vorliebe, einem Fetisch oder einfach davon sprichst, dass du die Füße deiner Partnerin liebst, ist deine Entscheidung. Ein Begriff ist ein Werkzeug, kein Urteil. Er kann helfen, dich selbst zu verstehen oder anderen zu erklären, was dich bewegt. Wenn er dich eher verunsichert, brauchst du ihn nicht.
Auch die Forschung trennt übrigens sehr genau zwischen einem Interesse, den Fantasien dazu, dem tatsächlichen Verhalten und der Art, wie sich jemand selbst versteht. Wer eine Vorliebe hat, muss sich nicht als Fetischist bezeichnen.
08 · Sexualität
Was das für eure Beziehung bedeuten kann
Für deine Partnerin kann diese Form der Aufmerksamkeit sehr schön sein, weil sie eindeutig ihr gilt. Viele Frauen fürchten bei einem Fußfetisch, auf einen Körperteil reduziert zu werden. Wenn du ihr sagen kannst, dass es ihre Füße sind, weil es ihre sind, fällt diese Sorge oft weg. Sprich mit ihr darüber, frag, wie sie das erlebt, und achte darauf, dass sie sich dabei wohlfühlt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- Seto, M. C. et al. (2021): Concordance of Paraphilic Interests and Behaviors. Journal of Sex Research 58(4). doi:10.1080/00224499.2020.1830018
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