01 · Sexualität und Alltag
Einleitung
Indem du deine berufliche Rolle bewusst von deiner privaten Sexualität trennst und dir klare Regeln gibst, die du auch dann einhältst, wenn niemand hinschaut. Menschen mit Fußfetisch arbeiten in allen möglichen Berufen, manche davon mit direktem Kontakt zu Füßen. Das ist nicht automatisch ein Problem. Es verlangt aber besondere Achtsamkeit, weil die Menschen, mit denen du arbeitest, dir vertrauen.
02 · Sexualität und Alltag
Berufe, in denen Füße dazugehören
Füße spielen in mehr Berufen eine Rolle, als man zunächst denkt. In der medizinischen Fußpflege, in der Physiotherapie und Massage, im Schuhhandel, im Nagelstudio, in der Orthopädie, im Tanz, im Sport, in der Pflege oder, wie bei mir, in der Mode- und Werbefotografie. In all diesen Berufen kommen Menschen mit ihren Füßen zu dir, weil sie eine Dienstleistung, eine Behandlung oder eine Beratung brauchen. Sie haben keinen Anteil an deiner Fantasie und haben ihr nicht zugestimmt.
03 · Sexualität und Alltag
Was ich aus meinem Berufsleben gelernt habe
Ich habe über zwanzig Jahre als Fotograf gearbeitet, viele Jahre davon mit High Heels als Motiv, später kamen Videoproduktionen dazu. Mein Fetisch hat meine Arbeit geprägt, und meine Arbeit hat meinen Fetisch geprägt. Durch die Modefotografie veränderte sich sogar, welche Schuhe mich reizten.
Diese enge Verbindung hatte aber auch eine Schattenseite. Irgendwann hatte sich mein Fetisch nicht nur in unser Liebesleben, sondern auch in mein Arbeitsleben eingeschrieben. Er hatte so viel Raum, dass er für meine Frau und mich zur Belastung wurde. Daraus habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Räume zu haben, in denen der Fetisch keine Rolle spielt. Für die meisten Berufe ist der Arbeitsplatz genau so ein Raum.
04 · Sexualität und Alltag
Die berufliche Rolle bewusst einnehmen
Hilfreich ist es, die berufliche Rolle ganz bewusst anzulegen, fast wie eine Arbeitskleidung. Vor Beginn der Arbeit kannst du dir innerlich klarmachen: Jetzt bin ich Fußpfleger, Verkäuferin, Physiotherapeut. Jetzt geht es um die Gesundheit, den Komfort oder die Wünsche meines Gegenübers, nicht um mich.
Kleine Rituale können dabei helfen, etwa ein fester Ablauf zu Beginn jedes Termins oder ein bewusster Gedanke beim Händewaschen. Das klingt banal, hilft aber, die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, wo sie hingehört.
05 · Sexualität und Alltag
Klare Regeln, die immer gelten
Unabhängig vom Beruf gelten ein paar Grundsätze ohne Ausnahme:
Viele Berufe haben eigene Berufsordnungen oder Verhaltensregeln, die genau solche Grenzen festlegen. Wer sie überschreitet, riskiert nicht nur das Vertrauen seiner Kundschaft, sondern auch berufliche und rechtliche Folgen.
- Keine Berührung, die über das fachlich Nötige hinausgeht. Nicht länger, nicht anders, nicht öfter.
- Keine Kommentare über das Aussehen der Füße, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.
- Keine Fotos, es sei denn, sie sind fachlich nötig, vereinbart und dokumentiert.
- Keine privaten Kontakte mit Kundinnen und Kunden, die aus dem beruflichen Kontakt entstehen.
- Keine Ausnutzung von Vertrauen. Wer Menschen in einer verletzlichen Situation behandelt, trägt besondere Verantwortung.
06 · Sexualität und Alltag
Supervision und Austausch
In manchen Berufen, etwa in der Therapie oder Pflege, gibt es Supervision. Das ist ein geschützter Rahmen, in dem Fachleute schwierige Situationen besprechen können. Du musst dort nicht über deinen Fetisch sprechen. Aber wenn dich eine Situation verunsichert hat, ist es gut, einen Ort zu haben, an dem du sie ansprechen kannst.
07 · Sexualität und Alltag
Wann du ehrlich prüfen solltest
Wenn du merkst, dass du deine professionellen Grenzen nicht mehr sicher einhalten kannst, dass dich die Arbeit innerlich immer wieder in Versuchung bringt oder dass du nach der Arbeit mit Schuldgefühlen oder Scham kämpfst, ist das ein wichtiges Signal. Dann solltest du ehrlich prüfen, ob die Tätigkeit auf Dauer die richtige für dich ist, und dir Unterstützung bei einer Fachperson aus der Psychotherapie oder Sexualtherapie holen. Das ist keine Niederlage. Es ist Verantwortung, dir selbst und den Menschen gegenüber, die dir vertrauen.
08 · Sexualität und Alltag
Was bleibt
Ein Fußfetisch schließt einen Beruf mit Füßen nicht aus. Er verlangt aber eine klare innere Trennung. Wer seine berufliche Rolle ernst nimmt und seinem Fetisch privat einen einvernehmlichen Rahmen gibt, kann beides verbinden, ohne dass jemand zu Schaden kommt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
Das deutsche Buch ansehen
Dieser Beitrag darf Kreise ziehen
Gutes Wissen wird stärker, wenn es geteilt wird.
Verlinke diesen Originalartikel als weiterführende Quelle – mit einem Klick kopierst du die eindeutige Adresse.
