01 · Beruf & Grenzen

Einleitung

Indem du eine klare Trennlinie zwischen Arbeit und Fetisch ziehst und dir ein paar einfache Regeln für den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen gibst. Den Blick wirst du nicht immer abstellen können. Wichtig ist, dass deine Arbeit nicht leidet und dass sich niemand im Team beobachtet oder unwohl fühlt. Beides lässt sich mit etwas Bewusstheit gut schaffen.

02 · Beruf & Grenzen

Warum der Arbeitsplatz besonders heikel ist

Im Büro, im Laden oder in der Werkstatt verbringt man viele Stunden mit denselben Menschen. Man sitzt sich in Besprechungen gegenüber, steht nebeneinander, sieht sich täglich. Gleichzeitig gelten hier besonders klare Regeln. Kolleginnen und Kollegen haben sich ihr Umfeld nicht ausgesucht und verlassen sich darauf, dass sie respektvoll behandelt werden. Was im Privaten ein harmloser Blick wäre, kann am Arbeitsplatz schnell als übergriffig empfunden werden.

03 · Beruf & Grenzen

Was ich aus meinem eigenen Berufsleben weiß

Bei mir war die Grenze zwischen Arbeit und Fetisch lange fließend. Über zwanzig Jahre habe ich als Fotograf gearbeitet, viele Jahre davon mit High Heels als Motiv, später kamen Videoproduktionen dazu. Irgendwann hatte sich mein Fetisch nicht nur in unser Liebesleben, sondern auch in mein Arbeitsleben eingeschrieben. Das war einer der Gründe, warum er für eine Weile zu viel Raum einnahm und für meine Frau und mich zur Belastung wurde.

Daraus habe ich gelernt, wie wichtig es ist, bewusst Räume zu haben, in denen der Fetisch keine Rolle spielt. Für die allermeisten Menschen ist der Arbeitsplatz genau so ein Raum.

04 · Beruf & Grenzen

Klare Regeln für den Umgang mit anderen

Ein paar Grundsätze helfen dir, auf der sicheren Seite zu bleiben:

Anzügliche Bemerkungen oder Blicke, die andere als belästigend empfinden, können am Arbeitsplatz als sexuelle Belästigung gewertet werden. Das gilt unabhängig davon, wie harmlos sie gemeint waren.

  • Keine Kommentare über Schuhe oder Füße von Kolleginnen und Kollegen, auch nicht als Kompliment. Was privat nett gemeint ist, kann im Job schnell falsch ankommen.
  • Keine Blicke unter den Tisch. Wenn dein Blick hängen bleibt, lenk ihn bewusst zurück zum Gesicht oder zum Bildschirm.
  • Keine Fotos, auch nicht „zufällig“ bei Betriebsfeiern oder Ausflügen.
  • Keine Gespräche in diese Richtung lenken, etwa über Schuhe, Pediküre oder Sommersandalen.
  • Keine Inhalte auf Arbeitsgeräten. Das ist nicht nur unprofessionell, sondern kann auch arbeitsrechtliche Folgen haben.

05 · Beruf & Grenzen

Konzentration zurückgewinnen

Wenn dich Reize im Arbeitsalltag stark ablenken, können diese Ansätze helfen:

  • Die eigene Position wählen. Setz dich in Besprechungen so, dass du nicht ständig auf die Füße anderer blickst.
  • Aufgaben strukturieren. Klare Arbeitsblöcke mit festem Ziel lassen weniger Raum zum Abschweifen.
  • Bewusste Pausen einlegen. Eine kurze Pause an der frischen Luft kann helfen, den Kopf wieder freizubekommen.
  • Die Geschichte bemerken. Der Anblick ist nur der Auslöser. Was dich festhält, ist die Fantasie, die im Kopf dazu anspringt. Wer sie bemerkt, kann sie leichter weiterziehen lassen.

06 · Beruf & Grenzen

Wenn jemand etwas bemerkt

Vielleicht hat eine Kollegin deinen Blick bemerkt, oder dir ist eine unpassende Bemerkung herausgerutscht. Dann hilft eine kurze, ehrliche Entschuldigung, etwa: „Das war unpassend von mir, entschuldige.“ Du musst dabei nichts über deinen Fetisch erklären. Deine Sexualität geht deinen Arbeitgeber und deine Kollegen nichts an. Wichtig ist nur, dass du dein Verhalten danach tatsächlich änderst.

07 · Beruf & Grenzen

Wenn dein Beruf mit Schuhen oder Füßen zu tun hat

Manche arbeiten in Berufen, in denen Schuhe oder Füße zum Alltag gehören, etwa im Schuhhandel, in der Fußpflege, in der Mode oder, wie ich, in der Fotografie. Hier ist besondere Achtsamkeit gefragt. Kundinnen und Kunden vertrauen darauf, dass sie professionell behandelt werden. Wenn du merkst, dass du diese Professionalität nicht mehr sicher wahren kannst, solltest du ehrlich prüfen, ob die Tätigkeit auf Dauer die richtige für dich ist.

08 · Beruf & Grenzen

Wann du Unterstützung brauchst

Wenn die Ablenkung so stark ist, dass deine Arbeit leidet, du Fehler machst oder Angst hast, dich nicht mehr unter Kontrolle zu haben, ist ein Gespräch mit einer Fachperson aus der Psychotherapie oder Sexualtherapie sinnvoll. Hilfe zu suchen, bevor etwas passiert, ist verantwortungsvoll und professionell zugleich.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.

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