01 · Fetisch & Beziehungen
Einleitung
Ein Fußfetisch steht einer verlässlichen Beziehung und einer Familie nicht im Weg. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich lebe seit Jahrzehnten mit meinem Fuß- und Schuhfetisch, bin seit vielen Jahren mit meiner Frau zusammen, und wir haben eine Familie. Die Sorge ist trotzdem verständlich, und es gibt ein paar Dinge, die dabei helfen, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen.
02 · Fetisch & Beziehungen
Woher die Sorge kommt
Viele Männer mit Fetisch fragen sich irgendwann: Wird mich eine Frau auf Dauer so annehmen? Kann ich ein guter Vater sein, wenn ich so etwas in mir trage? Was, wenn meine Kinder irgendwann davon erfahren? Solche Fragen entstehen oft aus dem Bild, ein Fetisch sei etwas Anrüchiges, das nicht zu einem geordneten Familienleben passt.
Dieses Bild stimmt nicht. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus nicht mehr als eigene Diagnose. Ein Fetisch sagt nichts über deine Fähigkeit aus, Verantwortung zu übernehmen, zu lieben oder Kinder großzuziehen.
03 · Fetisch & Beziehungen
Was ich selbst erlebt habe
Als ich meine heutige Frau kennenlernte, stellten wir schon am ersten Abend fest, dass uns etwas sehr Zentrales verbindet: unsere Begeisterung für High Heels. Knapp ein Jahr später wurde unsere Tochter geboren. Ich erzähle das in meinem Buch bewusst, weil mir ein Zusammenhang wichtig ist: Man kann eine liebevolle, stabile Beziehung führen, Kinder haben, Verantwortung übernehmen und trotzdem einen Fetisch leben und genießen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Auch die Forschung spricht nicht dafür, dass ein Fetisch ein erfülltes Leben verhindert. In einer älteren Befragung von 262 Männern mit Fußfetisch berichteten viele von festen Beziehungen, in die sie ihre Vorliebe einbanden. Und in einer Online-Befragung von 316 Menschen aus Fetisch-Communitys lag die Lebenszufriedenheit im üblichen Bereich. Beide Gruppen hatten sich selbst gemeldet und sind nicht repräsentativ. Sie zeigen aber, dass Fetisch und stabile Lebensführung gut zusammengehen können.
04 · Fetisch & Beziehungen
Verantwortung heißt nicht Verzicht
Mit Kindern kamen für uns allerdings auch neue Fragen. Meine Frau und ich haben damals gemeinsam Fetisch-Clips produziert, die auf einer großen Plattform sehr erfolgreich waren. Wir selbst hatten damit kein Problem. Aber wir fragten uns: Wie würde das später für unsere Kinder sein? Würden sie irgendwann damit konfrontiert werden, würden sie darunter leiden?
Wir haben diese Fragen sehr ernst genommen und eine klare Entscheidung getroffen: Fetisch ja, künstlerischer Ausdruck ja, aber keine weiteren gemeinsamen Clips auf dieser Plattform. Diese Entscheidung war kein Rückzug aus Scham, sondern Ausdruck von Verantwortung. Mein Fetisch blieb Teil meines Lebens und unserer Beziehung, nur nicht mehr öffentlich auf diese Weise.
05 · Fetisch & Beziehungen
Was im Familienalltag hilft
Ein Fetisch gehört, wie jede Sexualität, in den privaten Bereich der Erwachsenen. Ein paar Grundsätze halte ich dabei für wichtig:
- Sexualität bleibt Sache der Eltern. Kinder müssen über die Vorlieben ihrer Eltern nichts wissen, genauso wenig wie über andere Details ihres Liebeslebens.
- Diskretion zu Hause. Inhalte, Fotos oder Gegenstände, die mit dem Fetisch zu tun haben, gehören an Orte, zu denen Kinder keinen Zugang haben.
- Digitale Spuren bedenken. Was einmal öffentlich im Netz steht, lässt sich kaum zurückholen. Das gilt besonders für Bilder, auf denen man erkennbar ist.
- Gelassen bleiben. Schuhe und Füße sind im Familienalltag überall. Das ist kein Problem, sondern ganz normales Leben.
06 · Fetisch & Beziehungen
Phasen, in denen weniger Raum ist
Mit Schwangerschaft, kleinen Kindern, Schlafmangel und Alltagsstress haben viele Paare Phasen, in denen Sexualität insgesamt weniger Raum hat. Das betrifft auch den Fetisch. Solche Phasen sind normal und kein Zeichen dafür, dass etwas verloren geht. Wer sich nicht ausschließlich über seinen Fetisch definiert, kommt mit ihnen deutlich gelassener zurecht.
07 · Fetisch & Beziehungen
Die richtige Partnerin finden
Die größte Weichenstellung für eine gute Zukunft ist, mit wem du sie teilst. Deshalb rate ich, früh in einer Beziehung über den Fetisch zu sprechen, damit die Partnerin selbst entscheiden kann. Sie muss ihn nicht teilen. Es reicht, wenn sie ihn kennt, respektiert und ihr offen miteinander darüber sprechen könnt.
08 · Fetisch & Beziehungen
Wenn die Sorge bleibt
Wenn dich die Angst um deine Zukunft stark belastet, dich von Beziehungen abhält oder deine Stimmung trübt, kann ein Gespräch mit einer Fachperson aus der Psychotherapie oder Sexualtherapie helfen. Oft liegt hinter der Zukunftsangst eine tiefere Scham, die sich bearbeiten lässt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
- Weinberg, M. S., Williams, C. J. & Calhan, C. (1994): Homosexual foot fetishism. Archives of Sexual Behavior 23(6). doi:10.1007/BF01541815
- Harrison, M. A. & Murphy, B. E. (2021): Sexual fetishes: sensations, perceptions, and correlates. Psychology & Sexuality 13(3). doi:10.1080/19419899.2021.1915368
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