01 · Sexualität

Einleitung

Nein. Deine Sexualität ist deine Privatsache, und die deiner Beziehung gehört euch beiden. Eltern, Geschwister oder andere Angehörige müssen davon nichts wissen, genauso wenig, wie du über ihr Liebesleben Bescheid wissen musst. Ob du dich trotzdem jemandem aus der Familie anvertraust, ist deine freie Entscheidung, und es gibt gute Gründe für beide Wege.

02 · Sexualität

Was die Familie betrifft und was nicht

Ein Fußfetisch ist ein Teil deiner Sexualität. Er betrifft dich selbst und, wenn du in einer Beziehung bist, deine Partnerin. Für sie kann es wichtig sein, davon zu wissen, weil er eure gemeinsame Sexualität berührt. Deshalb rate ich, früh in einer Beziehung darüber zu sprechen.

Für deine Eltern, Geschwister oder andere Verwandte gilt das nicht. Sie leben nicht in deiner Beziehung und sind nicht Teil deiner Sexualität. Es gibt in den meisten Familien ungeschriebene Grenzen, über welche Themen man spricht und über welche nicht, und Sexualität gehört für viele Menschen zu Letzteren. Das ist kein Zeichen von Heimlichkeit, sondern von Privatsphäre.

03 · Sexualität

Privatsphäre ist nicht dasselbe wie Verstecken

Viele Männer mit Fetisch haben das Gefühl, sie würden etwas verheimlichen, wenn ihre Familie nichts davon weiß. Dieses Gefühl ist verständlich, gerade wenn die Scham ohnehin groß ist. Trotzdem gibt es einen Unterschied. Verstecken heißt, aus Angst etwas zu verbergen, das eigentlich jemanden betrifft. Privatsphäre heißt, selbst zu entscheiden, wer an welchen Teilen deines Lebens teilhat.

Deine Mutter weiß vermutlich auch nicht, welche Fantasien deine Geschwister haben. Und das ist in Ordnung.

04 · Sexualität

Gute Gründe, es trotzdem zu erzählen

Es kann trotzdem Situationen geben, in denen sich Offenheit in der Familie lohnt:

  • Wenn du einen sehr engen, vertrauensvollen Kontakt zu einem Familienmitglied hast und dir ein Gespräch guttun würde.
  • Wenn der Fetisch in deinem Leben sichtbar ist, etwa durch öffentliche Arbeit, Fotos oder Veröffentlichungen, und du nicht möchtest, dass Angehörige es aus zweiter Hand erfahren.
  • Wenn das Schweigen dich stark belastet und du das Gefühl hast, einen wichtigen Teil von dir vor den Menschen zu verbergen, die dir am nächsten stehen.

05 · Sexualität

Gute Gründe, es nicht zu tun

Genauso gibt es gute Gründe für Zurückhaltung:

  • Wenn in deiner Familie abwertend über Sexualität gesprochen wird und du mit Spott oder Unverständnis rechnen musst.
  • Wenn die Information gegen dich verwendet werden könnte, etwa in Konflikten.
  • Wenn es einfach niemanden etwas angeht. Das allein ist Grund genug.

06 · Sexualität

Mein eigener Weg

Ich bin mit meinem Schuhfetisch in meinen Dreißigern an die Öffentlichkeit gegangen, mit Fotoserien, Zeitschriftenberichten und Auftritten in Talkshows. Inzwischen habe ich ein ganzes Buch darüber geschrieben. Das war und ist meine bewusste Entscheidung. Sie bedeutet aber nicht, dass jeder diesen Weg gehen muss. Zwischen völliger Verschwiegenheit und völliger Öffentlichkeit liegt ein weiter Raum, und jeder darf seinen eigenen Platz darin finden.

07 · Sexualität

Wenn die Familie es erfährt, ohne dass du es wolltest

Manchmal erfahren Angehörige etwas, ohne dass man es selbst erzählt hat, durch einen Fund, eine Bemerkung oder das Internet. Dann hilft es, ruhig zu bleiben. Du musst keine Details erklären. Ein Satz wie „Ja, das gehört zu meiner Sexualität. Das ist meine Privatsache, und es ist nichts, worüber du dir Sorgen machen musst“ reicht oft völlig. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus nicht mehr als eigene Diagnose, auch das kann bei besorgten Eltern beruhigend wirken.

08 · Sexualität

Und die eigenen Kinder?

Für Kinder gilt dasselbe wie für jedes andere Detail aus dem Liebesleben ihrer Eltern: Sie müssen davon nichts wissen. Meine Frau und ich haben uns vor Jahren ganz bewusst gegen weitere gemeinsame Fetisch-Clips im Netz entschieden, weil wir nicht wollten, dass unsere Kinder später damit konfrontiert werden. Das war kein Verstecken aus Scham, sondern Verantwortung.

Auch deine Partnerin sollte übrigens nicht ohne dein Einverständnis mit ihrer Familie darüber sprechen. Wer wem was erzählt, ist etwas, das ihr gemeinsam vereinbaren könnt.

09 · Sexualität

Wenn du dich doch öffnen möchtest

Wenn du dich entscheidest, jemandem aus der Familie davon zu erzählen, wähl einen ruhigen Moment, beginne mit einem Menschen, dem du besonders vertraust, und bitte ausdrücklich um Verschwiegenheit. Du musst nicht alles erzählen. Es reicht oft zu sagen, dass es diesen Teil von dir gibt. Ehrlich sein heißt nicht, jede Einzelheit preiszugeben.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int

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