01 · Fetisch & Beziehungen
Einleitung
Am besten Menschen, bei denen du dir sicher sein kannst, dass sie zuhören, ohne zu urteilen, und schweigen können. Das kann deine Partnerin sein, ein guter Freund, eine Fachperson oder ein anonymes Gegenüber. Du musst dich nicht allen anvertrauen. Ein einziger Mensch, der Bescheid weiß, kann schon viel verändern.
02 · Fetisch & Beziehungen
Warum es sich lohnt, nicht allein zu bleiben
Viele Männer mit Fuß- oder Schuhfetisch tragen ihr Geheimnis über Jahre mit sich herum. In meinem Buch beschreibe ich, woher die Belastung dabei oft kommt: nicht aus dem Fetisch selbst, sondern aus dem Gefühl, mit ihm allein zu sein. Wer sich einem Menschen anvertraut, merkt oft, wie viel Druck plötzlich wegfällt.
Gleichzeitig ist die Sorge um die eigene Privatsphäre berechtigt. Nicht jeder geht mit so einer Information sorgsam um. Deshalb lohnt es sich, gut zu überlegen, wem du dich öffnest.
03 · Fetisch & Beziehungen
Woran du eine gute Vertrauensperson erkennst
Diese Fragen helfen dir bei der Einschätzung:
- Kann die Person schweigen? Hat sie in der Vergangenheit Dinge für sich behalten, die du ihr anvertraut hast?
- Urteilt sie schnell? Wie reagiert sie, wenn andere über ungewöhnliche Themen sprechen?
- Steht sie dir nahe, aber nicht zu nah an deinem Alltag? Kollegen, Vorgesetzte oder Menschen aus Kreisen, in denen sich alles schnell herumspricht, sind oft keine gute Wahl.
- Wird sie das Thema gegen dich verwenden können? Bei manchen Beziehungen, etwa bei Konflikten in der Familie, ist Vorsicht angebracht.
04 · Fetisch & Beziehungen
Die Möglichkeiten im Überblick
Je nachdem, wie viel Schutz du brauchst, kommen unterschiedliche Gesprächspartner infrage:
- Anonyme Angebote. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Auch in Online-Foren kannst du dich unter einem Pseudonym austauschen.
- Fachleute. Psychotherapeutinnen, Sexualtherapeuten, Ärztinnen und Beratungsstellen sind in der Regel zur Verschwiegenheit verpflichtet. Hier kannst du offen sprechen, ohne dass etwas in dein Umfeld dringt.
- Deine Partnerin. Für viele ist sie die wichtigste Person, der sie sich anvertrauen. Seit meinem 23. Lebensjahr habe ich jeder Partnerin gleich am Anfang von meinem Fetisch erzählt, und keine hat mich deswegen abgelehnt.
- Ein enger Freund oder eine enge Freundin. Jemand, der dich lange kennt und schätzt, kann eine große Stütze sein.
- Familie. Das ist für viele der schwierigste Kreis, weil die Beziehungen eng und oft kompliziert sind. Hier lohnt sich besondere Vorsicht.
05 · Fetisch & Beziehungen
Behutsam vortasten
Du musst nicht mit der Tür ins Haus fallen. Manchmal hilft es, das Thema erst einmal allgemein anzusprechen, etwa über einen Artikel, eine Sendung oder eine Bemerkung zu einem ganz anderen Fetisch. An der Reaktion erkennst du oft schon, wie offen dein Gegenüber ist.
Wenn du dich dann öffnest, bitte ausdrücklich um Verschwiegenheit. Sätze wie „Ich erzähle dir etwas sehr Persönliches und möchte, dass es unter uns bleibt“ machen klar, worum es geht.
06 · Fetisch & Beziehungen
Was du erzählst, bestimmst du
Dich jemandem anzuvertrauen, heißt nicht, alles zu erzählen. Überleg dir vorher, was du teilen möchtest und warum. Oft reicht es zu sagen, dass es diesen Teil von dir gibt und dass er dich beschäftigt. Einzelheiten deiner Fantasien gehören nur dann ins Gespräch, wenn du das möchtest.
Und falls eine Reaktion enttäuschend ausfällt: Das sagt mehr über die Vorstellungen deines Gegenübers als über dich. Gib deshalb nicht auf, sondern such dir beim nächsten Mal jemand anderen.
07 · Fetisch & Beziehungen
Achtung im Netz
Online-Foren und Communitys können eine große Entlastung sein. Für viele war es eine enorme Erfahrung zu merken, dass sie mit ihrer Vorliebe nicht allein sind. Achte dort aber auf deine Privatsphäre. Nutze ein Pseudonym, gib keine Details preis, über die man dich erkennen könnte, und teile keine Fotos von dir, die dich identifizieren. Was einmal im Netz ist, lässt sich kaum zurückholen.
08 · Fetisch & Beziehungen
Meine Erfahrung mit Offenheit
Ich habe meinen Schuhfetisch nie wirklich versteckt. Als Fotograf habe ich jahrelang High-Heel-Serien veröffentlicht, Zeitschriften haben über mich berichtet, und ich saß in Talkshows. Diese öffentliche Offenheit ist aber nicht für jeden der richtige Weg, und das muss sie auch nicht sein. Zwischen völliger Heimlichkeit und völliger Öffentlichkeit liegt ein weiter Raum. Irgendwo darin findest du deinen eigenen Kreis von Menschen, bei denen du so sein darfst, wie du bist.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
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