01 · Grundlagen

Einordnung

Allein bist du ganz sicher nicht. Eine genaue Zahl kann dir allerdings niemand nennen, auch wenn im Internet immer wieder Prozentangaben kursieren. Warum das so ist und was die vorhandenen Studien tatsächlich zeigen, erkläre ich hier. Die ehrliche Antwort ist weniger spektakulär als manche Schlagzeile. Beruhigend ist sie trotzdem.

02 · Grundlagen

Warum es keine seriöse Zahl gibt

Um zu wissen, wie viele Menschen einen Fußfetisch haben, bräuchte man eine große, repräsentative Befragung, die Füße und Schuhe gesondert erfasst. Und man müsste sehr genau unterscheiden, wonach man fragt. Wer Füße schon einmal erregend fand, ist etwas anderes als jemand, der regelmäßig entsprechende Fantasien hat. Und der wiederum ist etwas anderes als jemand, der seinen Fetisch auslebt oder sich selbst als Fetischist bezeichnet. Eine solche Studie gibt es bis heute nicht.

Es gibt durchaus Bevölkerungsstudien zu ungewöhnlichen sexuellen Interessen, etwa aus der kanadischen Provinz Québec, aus Tschechien und aus dem Kanton Zürich. Sie zeigen, dass solche Interessen nicht selten angegeben werden. Fetischismus wird dort aber als breite Kategorie erfasst, zusammen mit Materialien und anderen Objekten. Eine eigene Zahl für Füße liefert keine dieser Studien.

Wie stark die Ergebnisse von der Methode abhängen, zeigt die Studie aus Québec. Wer online befragt wurde, gab mehr solcher Interessen an als Menschen, die am Telefon antworteten. Das heißt nicht, dass die Online-Antworten automatisch ehrlicher sind. Es zeigt aber, wie empfindlich solche Zahlen auf die Art der Befragung reagieren.

03 · Grundlagen

Was die vorhandenen Studien zeigen und was nicht

Direkt zu Füßen und Schuhen gibt es vor allem Untersuchungen mit Online-Gruppen oder mit Menschen, die sich selbst gemeldet haben. Die wichtigsten habe ich hier zusammengestellt:

Allen diesen Arbeiten ist gemeinsam, dass die Menschen sich selbst gemeldet oder eine Plattform freiwillig gewählt haben. Das macht die Daten wertvoll, um überhaupt etwas über dieses Thema zu erfahren. Für eine Zahl über die Bevölkerung taugen sie nicht.

  • Studie | Wer oder was untersucht wurde | Was sie zeigt | Was sie nicht zeigt
  • Scorolli u. a. (2007) | 381 Online-Diskussionsgruppen zu Fetischen | Füße und fußbezogene Objekte wie Schuhe und Socken waren die sichtbarste Einzelkategorie | Wie viele Menschen einen Fußfetisch haben
  • Shekarchi u. a. (2025), Iran | Online-Befragung, 291 Personen mit Fetischinteresse | 179 von 201 Männern mit Objektfetisch nannten zusätzlich ein Interesse an Füßen | Wie häufig das im Iran oder anderswo ist
  • Fay u. a. (2016) | Über 500.000 europäische Profile der Fetisch-Plattform FetLife aus dem Jahr 2014 | Wie groß und vernetzt Fetisch-Communitys im Netz sind | Wie verbreitet Fetische in Europa sind
  • Weinberg u. a. (1994) | 262 Mitglieder einer Organisation für homosexuelle Fußfetischisten | Viele binden ihre Vorliebe in Beziehungen ein | Wie es in anderen Gruppen aussieht

04 · Grundlagen

Was ich selbst beobachtet habe

In meinem Buch berichte ich von einem eigenen Experiment. Zwei Jahre lang habe ich ein Instagram-Profil geführt, auf dem ich mich als heterosexueller Mann mit dominanter Neigung und ausgeprägtem Stiefelfetisch gezeigt habe. Unter den rund 1.600 echten Followern waren etwa 1.500 Männer, überwiegend homosexuell, dazu einige Dutzend heterosexuelle. Frauen mit einem echten sexuellen Schuh- oder Stiefelfetisch haben sich in dieser Zeit genau drei bei mir gemeldet.

Das ist keine Studie, sondern eine persönliche Beobachtung, noch dazu zum Thema Stiefel. Sie hat mir aber vor Augen geführt, wie viele Männer sich von diesem Thema angesprochen fühlen, quer durch alle sexuellen Orientierungen.

05 · Grundlagen

Warum man sich trotzdem so allein fühlt

Wenn das Thema so präsent ist, warum fühlen sich dann so viele allein damit? Weil kaum jemand darüber spricht. Viele Männer haben früh gelernt, ihre Sexualität zu filtern und nur das zu zeigen, was ihnen unverfänglich erscheint. Das Schweigen der anderen sieht dann aus wie ihr Fehlen. Als ich in den Neunzigerjahren in Talkshows über Schuhfetischismus sprach, wurde das Thema noch wie eine Kuriosität behandelt.

Das Internet hat daran viel verändert. Menschen mit ähnlichen Vorlieben können sich heute finden und feststellen, dass sie keineswegs die Einzigen sind. Für viele ist genau diese Erfahrung eine große Entlastung. Anfang der Neunzigerjahre gab es noch keine Foren und keinen anonymen Austausch. Wer mehr wissen wollte, musste lesen. Für mich waren damals die Bücher der Autorin Nancy Friday über sexuelle Fantasien eine der wenigen Möglichkeiten zu erfahren, dass andere ähnlich empfinden.

Du bist also nicht allein. Wie viele es genau sind, wird die Forschung hoffentlich irgendwann herausfinden. Für die Frage, ob mit dir etwas nicht stimmt, spielt diese Zahl ohnehin keine Rolle.

Quellen

Quellen

  1. 1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. 2. Scorolli, C. et al. (2007): Relative prevalence of different fetishes. International Journal of Impotence Research 19(4), 432–437. doi:10.1038/sj.ijir.3901547
  3. 3. Shekarchi, R. et al. (2025): Comparison of Psychopathological and Socio-cultural Outcomes Among Distinct Fetishism Subgroups: A Cluster Analysis Approach. Sexuality & Culture 29(4). doi:10.1007/s12119-025-10352-1
  4. 4. Fay, D. et al. (2016): An Exploration of Fetish Social Networks and Communities. Advances in Network Science. doi:10.1007/978-3-319-28361-6_17
  5. 5. Weinberg, M. S., Williams, C. J. & Calhan, C. (1994): Homosexual foot fetishism. Archives of Sexual Behavior 23(6). doi:10.1007/BF01541815
  6. 6. Joyal, C. C. & Carpentier, J. (2017): The Prevalence of Paraphilic Interests and Behaviors in the General Population: A Provincial Survey. Journal of Sex Research 54(2). doi:10.1080/00224499.2016.1139034
  7. 7. Bártová, K. et al. (2021): The Prevalence of Paraphilic Interests in the Czech Population. Journal of Sex Research 58(1). doi:10.1080/00224499.2019.1707468
  8. 8. Baier, D. (2024): Paraphilic Interests in the Swiss Population: Results of a Representative Survey in the Canton of Zurich. Journal of Psychosexual Health 6(2). doi:10.1177/26318318241255783

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