01 · Sexualität

Einleitung

Nicht automatisch. Es zeigt, wie eng sich deine Erregung an einen bestimmten Reiz gebunden hat. Ein Warnzeichen wird daraus erst, wenn du darunter leidest, deine Beziehung darunter leidet oder du das Gefühl hast, die Kontrolle zu verlieren. Und selbst dann ist das keine Sackgasse.

02 · Sexualität

Was die Forschung über das „Brauchen“ weiß

Die Forschenden Giselle Rees und Justin Garcia haben genau diese Frage untersucht: Brauchen Menschen mit einem Objektfetisch ihr Objekt, um erregt zu werden? In zwei Studien gab die Mehrheit der Befragten an, auch ohne ihr Fetischobjekt sexuell erregt und aktiv zu sein. Für einen Teil spielte das Objekt dagegen eine zentrale Rolle.

Die Teilnehmenden hatten sich selbst gemeldet, und Füße oder Schuhe wurden nicht getrennt ausgewertet. Die Studien zeigen aber, dass es große Unterschiede gibt. Wenn du zu denen gehörst, bei denen der Fetisch fast immer dabei sein muss, bist du damit nicht allein. Du bist nur an einem Ende eines breiten Spektrums.

03 · Sexualität

Was die Diagnosehandbücher sagen

Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus in ihrer Klassifikation ICD-11 nicht mehr als eigene Störung. Eine Diagnose kommt bei einvernehmlich oder allein ausgelebten Vorlieben nur noch infrage, wenn jemand deutlich darunter leidet oder ein ernstes Verletzungsrisiko besteht. Auch die amerikanische Psychiatervereinigung APA trennt klar zwischen einem ungewöhnlichen sexuellen Interesse und einer Störung. In ihrem Diagnosehandbuch DSM gibt es die fetischistische Störung zwar weiterhin, aber auch dort reicht die Vorliebe allein nicht für eine Diagnose.

Wie stark du auf deinen Fetisch angewiesen bist, ist also nicht das Kriterium. Entscheidend ist, wie es dir und den Menschen um dich herum damit geht.

04 · Sexualität

Warum sich der Körper an einen Weg gewöhnt

In meinem Buch beschreibe ich einen Mechanismus, den ich bei vielen Männern mit Fetisch beobachtet habe. Wenn ein Fetisch über Jahre der wichtigste oder einzige Weg zur Erregung war, gewöhnt sich der Körper an genau diese Art der inneren Aktivierung. Andere Situationen fühlen sich dann zunächst leer, fremd oder wenig wirksam an.

Das bedeutet nicht, dass der Körper nicht mehr anders reagieren kann. Es bedeutet, dass neue Verknüpfungen Zeit brauchen. Als Erwachsene können wir durch Wiederholung beeinflussen, welche Inhalte in unserer Sexualität an Gewicht gewinnen. Löschen können wir den Fetisch nicht. Aber wir können ihm Nachbarn geben.

Wie sehr sich Erregungsmuster durch Erfahrung verschieben, habe ich selbst erlebt. Mit Anfang 20 reizten mich einfache, günstige High Heels. Durch meine Arbeit als Modefotograf wurden es nach und nach hochwertige Designerschuhe, und die billigen verloren ihren Reiz. Der Fetisch verschwindet nicht, aber das, was man lebt, verändert seine Ausprägung.

05 · Sexualität

Das Problem mit dem Ausblenden

Viele Männer versuchen, ihren Fetisch beim Sex bewusst auszublenden, weil sie der Partnerin gerecht werden wollen oder sich schämen. Das geht oft schief. Wer seine Fantasie unterdrückt, lässt die innere Ebene leer, und der Körper reagiert darauf mit Zurückhaltung. Kommt dann noch Leistungsdruck dazu, wird es schnell zum Teufelskreis. Was als Erektionsproblem erscheint, ist in solchen Fällen häufig ein Konflikt zwischen Lust und Selbstkontrolle.

Deshalb halte ich es für den besseren Weg, den Fetisch nicht zu bekämpfen, sondern ihm in der gemeinsamen Sexualität einen Platz zu geben. Manchmal reicht schon eine Fantasie, die man zulässt, statt sie zu verbieten. Organische Ursachen sollte man dabei trotzdem nicht ignorieren. Alter, Medikamente, Stress oder gesundheitliche Faktoren können genauso eine Rolle spielen und gehören ärztlich abgeklärt.

06 · Sexualität

Wann es ein Warnzeichen sein kann

Ein genauerer Blick lohnt sich, wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft:

In solchen Fällen kann eine Fachperson aus der Sexualtherapie oder Sexualmedizin helfen. Nicht, um dir den Fetisch zu nehmen, sondern um deiner Sexualität wieder mehr Spielraum zu verschaffen.

  • Du leidest darunter, dass es ohne deinen Fetisch kaum geht, und fühlst dich dadurch eingeschränkt.
  • Deine Partnerin fühlt sich auf einen Reiz reduziert, und ihr findet keinen gemeinsamen Weg.
  • Es kommt zu anhaltenden Erektionsproblemen, sobald der Fetisch fehlt.
  • Das Bedürfnis fühlt sich zwanghaft an und bestimmt immer mehr deinen Alltag.

07 · Sexualität

Meine Sicht darauf

Ein Fetisch, der zuverlässig Erregung auslöst, wird leicht zum Fixpunkt. Alles andere erscheint dann zweitrangig. Das ist verständlich, aber es ist nicht zwangsläufig so. In meiner eigenen Sexualität hat sich über die Jahre vieles verändert, manches ist verschwunden, anderes ist neu hinzugekommen. Der Fetisch ist geblieben, aber er ist nur ein Teil davon.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483
  3. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
  4. American Psychiatric Association (2013): Paraphilic Disorders. DSM-5 Fact Sheet. psychiatry.org

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