01 · Sexualität und Beziehungen

Einleitung

Ja, das kann passieren, aber es ist nicht zwangsläufig so. Ein Fußfetisch kann eine Sexualität sehr bereichern. Wenn er allerdings zum fast einzigen Weg zur Erregung wird oder wenn man ihn ständig unterdrückt, können Lust, Funktion und Zufriedenheit leiden. Und es lässt sich etwas daran ändern, oft mit einfacheren Mitteln, als man denkt.

02 · Sexualität und Beziehungen

Funktion und Zufriedenheit sind zwei verschiedene Dinge

Wenn es um Sexualität geht, denken viele zuerst an die Funktion: Klappt die Erektion, kommt es zum Orgasmus? Mindestens genauso wichtig ist aber die Zufriedenheit. Fühle ich mich nah, gesehen, lebendig? Macht es mir und meiner Partnerin Freude?

Ein starker Fußfokus kann beides berühren, aber auf unterschiedliche Weise. Die Funktion leidet eher, wenn der Fetisch fehlt oder unterdrückt wird. Die Zufriedenheit leidet eher, wenn er so viel Raum einnimmt, dass für anderes kaum noch Platz bleibt. Und in einer Beziehung hängt sie außerdem stark davon ab, wie gut beide über ihre Wünsche sprechen können.

03 · Sexualität und Beziehungen

Was die Forschung zur Zufriedenheit sagt

Die Datenlage ist dünn, aber ein paar Hinweise gibt es. In einer Online-Befragung von 316 Menschen aus Fetisch-Communitys lag die Lebenszufriedenheit im üblichen Bereich, und die meisten bewerteten ihren Fetisch überwiegend positiv. In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia wurden Fetischmomente, die mit einer Partnerin oder einem Partner erlebt wurden, im Durchschnitt besser bewertet als solche, die man allein erlebt. Beide Studien stützen sich auf Menschen, die sich selbst gemeldet haben, verallgemeinern lässt sich das also nicht.

Ein anderer Befund zeigt die Kehrseite. In einer Online-Studie aus dem Iran hatten Teilnehmende, die ihre Fetischinteressen als nicht zu sich passend erlebten, höhere Werte für depressive Stimmung. Ob das Hadern die Niedergeschlagenheit auslöst oder umgekehrt, zeigt die Studie nicht. Es ist aber zumindest ein Hinweis darauf, dass der innere Konflikt mit dem Fetisch eine Rolle spielen könnte.

04 · Sexualität und Beziehungen

Wenn andere Formen der Intimität kaum noch möglich scheinen

In meinem Buch beschreibe ich einen Mechanismus, den ich bei vielen Männern mit Fetisch beobachtet habe. Wenn der Fetisch über Jahre der wichtigste oder einzige Weg zur Erregung war, gewöhnt sich der Körper an genau diese Art der inneren Aktivierung. Andere Situationen fühlen sich dann zunächst leer oder fremd an. Das heißt nicht, dass der Körper nicht mehr anders reagieren kann. Neue Verknüpfungen brauchen einfach Zeit.

Genauso problematisch ist das Gegenteil: den Fetisch beim Sex krampfhaft auszublenden, aus Scham oder aus Rücksicht auf die Partnerin. Dann bleibt die Fantasieebene leer, und der Körper reagiert mit Zurückhaltung. Kommt Leistungsdruck dazu, entsteht leicht ein Kreislauf, der sich als Erektionsproblem zeigt.

05 · Sexualität und Beziehungen

Intimität ist mehr als Sex

Ein Gedanke, der mir wichtig ist: Liebe, Zuneigung und Nähe gehören nicht automatisch zu dem, was uns erregt. Sie sind für eine Beziehung unverzichtbar, folgen aber anderen Regeln als die Lust. Das kann entlasten. Wer merkt, dass die sexuelle Seite gerade schwierig ist, kann Nähe auch anders leben, durch Berührung ohne Ziel, durch Zärtlichkeit, durch gemeinsame Zeit.

06 · Sexualität und Beziehungen

Wege zu mehr Zufriedenheit

  • Den Fetisch nicht bekämpfen. Wer seine Fantasie zulässt, statt sie zu verbieten, gibt der Erregung Raum.
  • Ihm einen Platz geben, aber nicht jeden. Ein Fetisch, der Teil der gemeinsamen Sexualität sein darf, muss nicht alles bestimmen.
  • Beide Seiten beachten. Ich nenne das die 50/50-Regel: Auch die Wünsche der Partnerin brauchen Raum.
  • Druck herausnehmen. In der Sexualtherapie gibt es Übungen, bei denen Paare Berührung ohne Leistungsziel neu entdecken. Solche Übungen sollen helfen, Lust wieder entspannter zu erleben.
  • Den Körper prüfen lassen. Bei anhaltenden Erektionsproblemen gehören auch Alter, Medikamente, Stress und gesundheitliche Ursachen ärztlich abgeklärt.

07 · Sexualität und Beziehungen

Was mir geholfen hat

Ich kenne selbst eine Phase, in der mein Fetisch so viel Raum hatte, dass mein Kopf beim Sex kaum noch zur Ruhe kam, und meine Frau und ich beide unzufrieden waren. Geholfen hat uns ein neuer Blick auf unsere Rollen, angestoßen durch eine erfahrene Psychologin. Danach bekam unser Sexleben eine Lebendigkeit, die wir lange vermisst hatten. Der Fetisch ist geblieben. Aber er stand nicht mehr allem anderen im Weg.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Harrison, M. A. & Murphy, B. E. (2021): Sexual fetishes: sensations, perceptions, and correlates. Psychology & Sexuality 13(3). doi:10.1080/19419899.2021.1915368
  3. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): An investigation into the solitary and interpersonal aspects of sexual object fetishism: a mixed-methods approach. Psychology & Sexuality 8(4). doi:10.1080/19419899.2017.1383301
  4. Shekarchi, R. et al. (2025): Comparison of Psychopathological and Socio-cultural Outcomes Among Distinct Fetishism Subgroups: A Cluster Analysis Approach. Sexuality & Culture 29(4). doi:10.1007/s12119-025-10352-1

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