01 · Beziehung & Sexualität

Einleitung

Dann ist es Zeit, die Gewichte neu zu verteilen, bevor einer von euch innerlich aussteigt. Ich kenne diese Situation aus eigener Erfahrung. Mein Fetisch hatte in unserer Beziehung irgendwann so viel Raum eingenommen, dass meine Frau und ich beide unzufrieden waren. Wir haben einen Weg herausgefunden, und ein paar der Dinge, die uns geholfen haben, möchte ich hier teilen.

02 · Beziehung & Sexualität

Woran man es merkt

Ein Fetisch, der zu viel Raum einnimmt, zeigt sich selten als offener Streit. Viel häufiger sind es leise Signale. Der Sex läuft immer nach demselben Drehbuch ab. Die Partnerin fühlt sich eher wie eine Mitspielerin in deiner Fantasie als wie die Frau, die du begehrst. Sie zieht sich zurück, hat weniger Lust oder wirkt emotional auf Abstand.

Wenn jemand das Gefühl hat, funktionieren zu müssen, damit die Beziehung hält, äußert sich der innere Widerstand oft genau so. Und manchmal merkt man es auch an sich selbst: Wenn du ohne deinen Fetisch kaum noch Lust empfindest oder alles andere in der Beziehung zweitrangig wirkt, lohnt sich ein ehrlicher Blick.

03 · Beziehung & Sexualität

Wie es bei uns war

Ich habe meine Frau über viele Jahre als „Königin“ gesehen, als dominante, führende Figur in meiner Fantasie. Mein Fetisch hatte sich damals nicht nur in unser Liebesleben, sondern auch in unsere gemeinsame Arbeit mit Fotos und Videos eingeschrieben. Mein Kopf war so voll mit Bildern, dass ich beim Sex oft nicht mehr bei ihr war.

Eine erfahrene Psychologin gab mir damals einen Rat, der mich zunächst irritiert hat. Ich sollte meine Frau von der Last befreien, immer die führende Rolle übernehmen zu müssen. Als ich das tat, veränderte sich etwas zwischen uns. Unser Sexleben bekam eine Lebendigkeit, die wir lange nicht mehr gespürt hatten.

04 · Beziehung & Sexualität

Sie muss die Hauptrolle spielen

Wenn ein Fetisch sich verselbständigt, wird die Partnerin schnell zur Nebenfigur. Irgendwann steht dann die klassische Frage im Raum: „Macht dich eigentlich nur noch der Schuh an und ich gar nicht mehr?“ Diese Frage ist berechtigt und verdient eine ehrliche Antwort.

Hilfreich ist, den Fetisch wieder bewusst auf sie zu beziehen. Es sind ihre Füße, ihre Schuhe, ihre Art, sie zu tragen, die dich reizen. In meinem Buch beschreibe ich außerdem einen Mechanismus, der viel Druck erzeugt: Wird der Fetisch zum Kern der eigenen Identität erklärt, erlebt man die Partnerin nicht mehr als Gegenüber, sondern als Instanz, die über Annahme oder Ablehnung entscheidet. Bleibt er ein Teil der Sexualität, ist Beziehung auf Augenhöhe möglich.

05 · Beziehung & Sexualität

Die 50/50-Regel

Ein Fuß- oder Schuhfetisch bleibt in den meisten Beziehungen die Spielart von einem der beiden. Dass zwei Menschen mit genau demselben Fetisch zusammenfinden, ist selten. Das muss auch nicht sein. In einer guten Beziehung geht es nicht darum, dass beide dasselbe wollen, sondern dass sie sich ergänzen.

Daraus habe ich eine einfache Regel abgeleitet, die ich die 50/50-Regel nenne. Wenn du möchtest, dass deine Partnerin auf deinen Fetisch eingeht, musst du genauso auf ihre Wünsche und Fantasien eingehen. Ob ihr das an einem Abend verbindet oder euch abwechselt, etwa eine Woche ihre Fantasien und die nächste deine, bleibt euch überlassen. Wichtig ist nur, dass beide gleich viel Raum bekommen.

06 · Beziehung & Sexualität

Sex ist nicht die ganze Beziehung

So wichtig Sexualität ist, sie ist nur ein Teil einer Beziehung. Liebe, gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele und der Alltag entscheiden mindestens genauso darüber, ob eine Partnerschaft glücklich ist. Wenn sich gefühlt alles um den Fetisch dreht, hilft es oft, bewusst Zeit miteinander zu verbringen, in der Sex gar kein Thema ist. Ein Abend, ein Ausflug, ein Gespräch ohne Hintergedanken.

07 · Beziehung & Sexualität

Der Fetisch muss nicht immer dabei sein

Aus der Forschung gibt es dazu einen ermutigenden Hinweis. In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia gab die Mehrheit der Befragten mit einem Objektfetisch an, auch ohne ihr Fetischobjekt sexuell erregt und aktiv zu sein. Die Teilnehmenden hatten sich selbst gemeldet, verallgemeinern lässt sich das also nicht.

Wenn ein Fetisch über Jahre der wichtigste Weg zur Erregung war, fühlt sich Sex ohne ihn anfangs womöglich leer an. Das bedeutet nicht, dass der Körper nicht anders reagieren kann. Neue Verknüpfungen brauchen einfach Zeit und Geduld, und zwar ohne Druck.

08 · Beziehung & Sexualität

Wenn ihr allein nicht weiterkommt

Manchmal stecken Paare so fest, dass sie aus eigener Kraft keinen Ausweg finden. Dann kann eine Paar- oder Sexualtherapie helfen, am besten bei jemandem, der sich mit Fetischen auskennt und nicht urteilt. Mir hat der Blick von außen damals sehr geholfen.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483

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