01 · Sexualität und Fetische

Einleitung

Ja, und genau so arbeiten gute Fachleute heute. Eine Therapie oder Beratung kann dir helfen, mit Belastung, Scham oder Konflikten besser umzugehen, ohne dass dein Fetisch dabei verschwinden muss. Du bestimmst mit, welche Ziele die Arbeit hat. Niemand muss dich „reparieren“, denn ein Fetisch ist kein Defekt.

02 · Sexualität und Fetische

Warum viele diese Sorge haben

Die Angst, eine Therapie könnte darauf abzielen, einem den Fetisch auszutreiben, hat historische Gründe. Über lange Zeit galt Fetischismus als Krankheit. In der älteren Fachliteratur finden sich Berichte über sogenannte aversive Behandlungen, bei denen Erregung mithilfe unangenehmer Reize verlernt werden sollte. Das sind historische Einzelfälle aus einer anderen Zeit und keine Grundlage für eine heutige Behandlung.

Heute sieht die Fachwelt das grundlegend anders. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus in der ICD-11 nicht mehr als eigene Diagnose. Wer einvernehmlich oder allein lebt, was ihn erregt, ist deshalb nicht krank. Auch die amerikanische Psychiatervereinigung APA betont, dass die meisten Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Interessen keine psychische Störung haben. Behandlungsbedürftig ist nicht der Fetisch, sondern gegebenenfalls das Leid, das mit ihm verbunden ist.

In der Formulierung der WHO steckt außerdem ein wichtiges Detail. Leid, das nur daraus entsteht, dass andere eine Vorliebe ablehnen, macht sie nicht zur Störung. Wer vor allem unter Scham leidet, kann also genau daran arbeiten, ohne dass sein Fetisch zum Problem erklärt wird.

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Worum es in einer guten Therapie gehen kann

Wenn der Fetisch selbst nicht das Problem ist, stellt sich die Frage: Wobei kann Unterstützung dann helfen? Die Antworten sind vielfältig:

  • Weniger Scham. Viele tragen über Jahre ein Gefühl mit sich herum, mit ihnen stimme etwas nicht. Das lässt sich bearbeiten.
  • Bessere Kommunikation. Wie spreche ich mit meiner Partnerin darüber? Wie gehe ich mit einem Nein um?
  • Mehr Steuerung. Wenn Gedanken oder Verhalten zu viel Raum einnehmen, kann man lernen, sie wieder besser einzuordnen.
  • Mehr Klarheit. Was bedeutet mir mein Fetisch eigentlich? Welche Fantasien stecken dahinter?
  • Umgang mit Begleitthemen. Niedergeschlagenheit, Ängste oder sexuelle Funktionsprobleme können mit dem Fetisch zusammenhängen, ohne dass er selbst verändert werden muss.

04 · Sexualität und Fetische

Was ich selbst erlebt habe

Als meine Frau und ich vor einigen Jahren in einer schwierigen Phase steckten, habe ich mir Rat bei einer Psychologin geholt, die sich mit Fetischen und BDSM gut auskannte. Ihr Rat zielte nicht darauf, den Fetisch loszuwerden. Er öffnete eine ganz neue Richtung. Sie ermutigte mich, eine dominante Seite auszuprobieren, die ich lange unterdrückt hatte, und meine Frau von der Rolle zu befreien, immer führen zu müssen.

Das Ergebnis war keine Beseitigung, sondern eine Erweiterung. Der Fetisch ist geblieben. Aber unser gemeinsames Sexleben wurde lebendiger, als es lange gewesen war.

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Wie du dein Ziel formulierst

Du kannst von Anfang an klar sagen, was du dir wünschst und was nicht. Zum Beispiel so:

Eine gute Fachperson wird dieses Anliegen respektieren und mit dir gemeinsam Ziele entwickeln. Nach meiner Erfahrung lässt sich ein Fetisch ohnehin nicht einfach abschalten. Man kann aber lernen, gut mit ihm umzugehen.

  • „Ich möchte meinen Fetisch nicht loswerden. Ich möchte lernen, besser mit der Scham umzugehen.“
  • „Mir ist wichtig, dass wir an meiner Belastung arbeiten, nicht gegen meine Sexualität.“
  • „Ich möchte verstehen, warum mich das Thema gerade so beschäftigt.“

06 · Sexualität und Fetische

Wenn die Fachperson andere Pläne hat

Wenn du den Eindruck hast, dass jemand dir deinen Fetisch ausreden oder abtrainieren möchte, obwohl du das nicht willst, ist das ein Warnsignal. Sprich es offen an. Wenn sich nichts ändert, darfst du dir jemand anderen suchen. Vor Beginn einer Psychotherapie gibt es Probesitzungen, in denen ihr prüft, ob die Zusammenarbeit passt. Genau dafür sind sie da.

Eine Ausnahme gibt es allerdings. Wenn dein Verhalten die Grenzen anderer Menschen verletzt oder zu verletzen droht, gehört auch die Frage nach Veränderung des Verhaltens selbstverständlich in die Therapie. Das betrifft aber das Handeln, nicht die Vorliebe an sich.

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Was bleibt

Hilfe zu suchen heißt nicht, dass du falsch bist. Es heißt, dass du dir selbst wichtig genug bist, um nicht allein mit einer Belastung zu bleiben. Dein Fetisch darf dabei bleiben, was er ist: ein Teil deiner Sexualität.

Quellen

Quellen

  1. 1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. 2. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
  3. 3. American Psychiatric Association (2013): Paraphilic Disorders. DSM-5 Fact Sheet. psychiatry.org
  4. 4. Kunjukrishnan, R., Pawlak, A. & Varan, L. R. (1988): The Clinical and Forensic Psychiatric Issues of Retifism. Canadian Journal of Psychiatry 33(9). doi:10.1177/070674378803300907

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