01 · Sexualität & Therapie
Einleitung
Der Einstieg ist oft der schwerste Teil, und er darf ganz schlicht sein. Du musst weder die perfekten Worte finden noch gleich alles erzählen. Ein kurzer Anruf oder eine E-Mail reicht für den ersten Kontakt. Und im ersten Gespräch genügt oft ein einziger Satz, um das Thema auf den Tisch zu bringen. Alles Weitere entwickelt sich von dort aus.
02 · Sexualität & Therapie
Vor dem ersten Kontakt
Bevor du dich meldest, hilft es, dir selbst über drei Dinge klar zu werden. Schreib dir dazu ruhig ein paar Stichworte auf:
Diese Notizen musst du niemandem zeigen. Sie helfen dir aber, im Gespräch nicht den Faden zu verlieren, wenn die Aufregung groß ist.
- Was belastet mich genau? Ist es der Fetisch selbst, die Scham, die Heimlichkeit, ein Konflikt in der Beziehung oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren?
- Seit wann ist das so? Gab es einen Auslöser, oder hat es sich langsam aufgebaut?
- Was wünsche ich mir? Mehr Ruhe, mehr Klarheit, einen besseren Umgang mit meiner Partnerin, weniger Scham?
03 · Sexualität & Therapie
Der erste Kontakt
Viele Menschen scheitern schon an der ersten E-Mail, weil sie nicht wissen, wie viel sie schreiben sollen. Dabei genügt sehr wenig. Du musst den Fetisch darin noch nicht einmal erwähnen. Eine Nachricht könnte etwa so aussehen:
„Guten Tag, ich suche Unterstützung bei einem Thema rund um Sexualität und Partnerschaft. Haben Sie Erfahrung mit sexuellen Vorlieben wie Fetischen? Ich würde gern einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.“
Die Frage nach der Erfahrung ist dabei nicht unhöflich. Sie hilft dir, von Anfang an jemanden zu finden, bei dem du dich nicht erklären oder rechtfertigen musst. In Deutschland vermittelt außerdem die Terminservicestelle unter 116 117 Termine für eine psychotherapeutische Sprechstunde.
04 · Sexualität & Therapie
Die erste Sitzung
Im ersten Gespräch geht es meistens ums Kennenlernen. Die Fachperson möchte verstehen, warum du gekommen bist und was dich beschäftigt. Du bestimmst dabei selbst, wie schnell du zum Kern kommst. Manche fangen direkt mit dem Fetisch an, andere zuerst mit etwas, das sich leichter aussprechen lässt.
Ein paar mögliche Einstiege:
Du musst am Anfang keine Einzelheiten deiner Fantasien erzählen. Eine gute Fachperson fragt nach, was sie wissen muss, und du darfst jederzeit sagen, wenn dir etwas noch zu nah ist.
- „Ich bin hier, weil mich etwas beschäftigt, über das ich bisher mit kaum jemandem gesprochen habe.“
- „Es geht um meine Sexualität. Ich habe einen Schuhfetisch, und in letzter Zeit belastet er mich.“
- „Ich möchte zuerst über meine Beziehung sprechen. Mein Fußfetisch spielt dabei eine Rolle.“
05 · Sexualität & Therapie
Ziele, die du benennen kannst
Viele glauben, das Ziel einer Therapie müsse sein, den Fetisch loszuwerden. Das ist selten realistisch und oft auch gar nicht nötig. Einen Fetisch kann man nach meiner Erfahrung nicht einfach abschalten. Man kann aber lernen, gut mit ihm umzugehen. Mögliche Ziele können deshalb ganz anders aussehen:
- weniger Scham und mehr Selbstannahme
- ein offeneres Gespräch mit der Partnerin
- ein besserer Umgang mit Gedanken, die sich aufdrängen
- mehr Klarheit darüber, was dich eigentlich bewegt
06 · Sexualität & Therapie
Und die Partnerin?
Wenn dich der Fetisch vor allem in deiner Beziehung belastet, kannst du später auch gemeinsame Termine vereinbaren. Viele Fachleute bieten Paargespräche an oder können an eine Paar- oder Sexualtherapie weitervermitteln. Für den Anfang ist es aber völlig in Ordnung, erst einmal allein zu kommen und für dich zu sortieren, was dich beschäftigt.
07 · Sexualität & Therapie
Wenn sich das erste Gespräch seltsam anfühlt
Dass du beim ersten Mal nervös bist, ist völlig normal. Vielleicht wirst du rot, vielleicht findest du die Worte nicht. Das kennen Therapeutinnen und Therapeuten. Vor dem eigentlichen Beginn einer Psychotherapie gibt es zudem Probesitzungen, in denen ihr gemeinsam prüft, ob die Zusammenarbeit passt. Wenn du dich nicht wohlfühlst, darfst du weitersuchen. Das ist kein Scheitern, sondern Teil des Wegs.
08 · Sexualität & Therapie
Meine Erfahrung
Als meine Frau und ich vor einigen Jahren feststeckten, habe ich einer Psychologin, die sich mit Fetischen und BDSM gut auskannte, meine Situation in vielen Gesprächen sehr offen geschildert. Diese Offenheit hat Überwindung gekostet. Aber sie war die Voraussetzung dafür, dass sie mir einen neuen Blick auf meine Sexualität eröffnen konnte. Die Überwindung hat sich gelohnt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminservicestellen 116 117. 116117.de
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
Das deutsche Buch ansehen
Dieser Beitrag darf Kreise ziehen
Gutes Wissen wird stärker, wenn es geteilt wird.
Verlinke diesen Originalartikel als weiterführende Quelle – mit einem Klick kopierst du die eindeutige Adresse.
