01 · Therapie & Sexualität
Einleitung
Am besten direkt, nüchtern und ohne dich dafür zu entschuldigen. Eine Therapie ist genau der Ort, an dem so etwas Platz haben darf. Und wenn dich in der Sitzung selbst etwas triggert, etwa die Schuhe deiner Therapeutin, ist es sogar wichtig, das anzusprechen. Was unausgesprochen im Raum steht, stört die Arbeit meist mehr als ein offenes Wort.
02 · Therapie & Sexualität
Warum es sich so schwer anfühlt
Über Sexualität zu sprechen, fällt den meisten Menschen schwer, und über einen Fetisch noch mehr. Da ist die Angst, verurteilt zu werden. Die Sorge, dass die Therapeutin dich danach nur noch durch diese Brille sieht. Und bei manchen die Scham, weil der Fetisch ausgerechnet in der Therapie anspringt, also in einem Raum, in dem man sich eigentlich sicher fühlen möchte.
All das ist verständlich. Es ist aber kein Grund, das Thema auszusparen. Eine Therapie, in der ein wichtiger Teil von dir nicht vorkommen darf, bleibt unvollständig.
03 · Therapie & Sexualität
Was du wissen solltest
Therapeutinnen und Therapeuten sind dafür ausgebildet, mit sehr persönlichen Themen professionell umzugehen, auch mit Sexualität. Sie unterliegen grundsätzlich der Schweigepflicht. Und ein Fußfetisch ist seit der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation für sich genommen keine psychische Störung mehr. Du gestehst also kein Vergehen. Du erzählst etwas über dich.
Trotzdem kennt sich nicht jede Fachperson gleich gut mit Fetischen aus. In einer Befragung von Menschen mit Kink- und Fetischinteressen aus der Region San Francisco wünschten sich die Teilnehmenden vor allem Behandelnde, bei denen sie offen sprechen können, ohne beschämt zu werden. Es ist völlig legitim, danach zu fragen.
04 · Therapie & Sexualität
Sätze, die den Einstieg leichter machen
Manchmal hilft es, sich die ersten Worte vorher zurechtzulegen. Zum Beispiel so:
Wenn dir das Aussprechen zu schwer fällt, kannst du deine Gedanken auch aufschreiben und den Zettel mitbringen. Das ist kein Umweg, sondern ein legitimer Anfang.
- „Es gibt ein Thema, das mir unangenehm ist, das ich aber gern ansprechen möchte. Ich habe einen Fußfetisch.“
- „Ich weiß nicht, wie viele Details hier sinnvoll sind. Sagen Sie mir bitte, was Sie wissen müssen.“
- „Haben Sie Erfahrung mit Fetischen? Das würde mir helfen, offener zu sprechen.“
- „Mir ist aufgefallen, dass mich hier in der Sitzung Füße oder Schuhe ablenken. Das ist mir peinlich, aber ich möchte offen damit umgehen.“
05 · Therapie & Sexualität
Du bestimmst das Tempo
Niemand verlangt, dass du in der ersten Stunde alles erzählst. Es ist völlig in Ordnung, erst einmal nur zu sagen, dass es dieses Thema gibt, und die Einzelheiten später folgen zu lassen. Du kannst auch ausdrücklich sagen, dass dir etwas noch zu nah ist. Eine gute Therapie passt sich deinem Tempo an und nicht umgekehrt.
06 · Therapie & Sexualität
Wenn dich in der Sitzung etwas triggert
Das ist vielleicht der heikelste Fall. Du sitzt deiner Therapeutin gegenüber, und ihre Schuhe oder Füße ziehen deine Aufmerksamkeit auf sich. Wichtig ist hier eine klare Haltung: Deine Reaktion gehört dir. Die Therapeutin hat nichts falsch gemacht, und du musst von ihr nichts verlangen. Sprich es so an, dass es um dein Erleben geht, nicht um ihre Kleidung.
Für die Therapie ist so ein Moment sogar wertvoll. Er zeigt ganz konkret, wie dein Fetisch im Alltag wirkt, und ihr könnt gemeinsam daran arbeiten. Wie ihr damit umgeht, klärt ihr miteinander. Die Verantwortung für die professionellen Grenzen liegt dabei bei ihr.
Eine Grenze gilt allerdings ohne Ausnahme: Eine Therapie ist kein Ort, um den Fetisch auszuleben. Bitten, Anspielungen oder Versuche, die Situation erotisch aufzuladen, beschädigen die therapeutische Beziehung. Darüber sprechen ja, danach handeln nein.
07 · Therapie & Sexualität
Wenn die Reaktion nicht passt
Gute Fachleute reagieren professionell. Wenn du aber merkst, dass deine Therapeutin oder dein Therapeut abwertend, belustigt oder sichtlich überfordert reagiert, darfst du das ansprechen und notfalls wechseln. Das ist kein Scheitern. Du brauchst jemanden, bei dem du dich sicher fühlst.
08 · Therapie & Sexualität
Meine Erfahrung
Als meine Frau und ich vor einigen Jahren in einer schwierigen Phase steckten, habe ich einer Psychologin, die sich mit Fetischen und BDSM gut auskannte, meine Situation sehr offen geschildert. Das hat Überwindung gekostet. Aber gerade weil ich so offen war, konnte sie mir einen Blick auf meine Sexualität eröffnen, der mir bis heute hilft. Die Überwindung hat sich gelohnt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- Waldura, J. F. et al. (2016): Fifty Shades of Stigma: Exploring the Health Care Experiences of Kink-Oriented Patients. Journal of Sexual Medicine 13(12). doi:10.1016/j.jsxm.2016.09.019
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
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