01 · Fetisch und Rollen
Einleitung
Nein, ein Fußfetisch legt dich auf keine Rolle fest. Viele Fuß- und Schuhfetische sind mit dem Spiel von Dominanz und Hingabe verbunden, aber nicht alle. Und wer seine Rolle heute kennt, kann morgen überrascht werden. Bei mir hat sie sich nach Jahrzehnten noch einmal grundlegend verändert.
02 · Fetisch und Rollen
Dominanz ist eine Beziehung, kein Merkmal
In meinem Buch widme ich dem Zusammenspiel von Füßen, Schuhen und Dominanz ein eigenes Kapitel. Die wichtigste Einsicht daraus: Dominanz ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern entsteht zwischen Menschen, im Moment, im Verhalten, im Auftreten. Wer steht, wer sitzt, wer sich nähert, wer auf Abstand bleibt. Solche Dynamiken gibt es überall, auch jenseits von Sexualität.
Deshalb ist die Frage „Bin ich dominant oder devot?“ oft zu grob. Treffender ist: Welche Dynamik reizt mich, mit wem und in welcher Situation?
03 · Fetisch und Rollen
Warum Füße so stark mit Macht verbunden sind
Dass Füße und Schuhe so oft mit Rollen verknüpft werden, hat einen einfachen Grund. Füße befinden sich am unteren Ende des Körpers. Wer sich jemandem zu Füßen begibt, verändert seine Position, räumlich und emotional. Wer über jemandem steht, nimmt Präsenz ein. Schuhe verstärken diese Wirkung. Ein hoher Absatz hebt an, ein Stiefel wirkt massiv.
Für viele Menschen mit Fuß- oder Schuhfetisch liegt der Reiz dabei nicht zwingend in der Idee von Kontrolle, sondern im Erleben einer bestimmten Ordnung. Wer unten ist, darf schauen. Wer oben ist, wirkt. Diese Ordnung kann leise sein oder sehr deutlich. Entsprechend breit ist die Spanne der Spielarten, von zärtlicher Fußverehrung bis zu Spielen, in denen jemand ganz bewusst die untere Position einnimmt.
Dominanz muss dabei nicht der Ausgangspunkt sein. Sie kann sich entwickeln und irgendwann eine eigenständige erregende Kraft bekommen, manchmal sogar eine stärkere als der Schuh oder der Fuß selbst.
04 · Fetisch und Rollen
Nicht jeder Fußfetisch hat mit Macht zu tun
Es gibt Menschen, die mit Dominanz und Unterwerfung überhaupt nichts anfangen können und deren Fetisch rein auf den Fuß oder den Schuh gerichtet ist. Für sie geht es um Form, Ästhetik, Berührung oder Zärtlichkeit, etwa bei einer ausgiebigen Fußmassage. Nach meiner Erfahrung ist die Gruppe derer, bei denen Macht eine Rolle spielt, größer. Aber sie ist nicht die einzige.
Wichtig ist auch eine Unterscheidung, die oft verwischt: Sadomasochismus und Fetischismus sind nicht dasselbe. Sie können zusammen auftreten, müssen es aber nicht.
05 · Fetisch und Rollen
Meine eigene Geschichte
Über Jahrzehnte habe ich meinen Schuhfetisch aus einer eher devoten Rolle heraus gelebt. Ich sah meine Frau als dominante „Königin“, und genau diese Rolle wollte sie auf Dauer nicht übernehmen. In einer schwierigen Phase riet mir eine erfahrene Psychologin, meine eigene dominante Seite auszuprobieren, die ich lange unterdrückt hatte.
Ich war skeptisch, habe es aber gemacht. Es hat mich erregt, meiner Frau hat es gefallen, und kurz darauf entdeckte ich Cowboystiefel für mich, diesmal an meinen eigenen Füßen. Der Fetisch ist geblieben, meine Rolle darin hat sich verändert. Wäre meine Rolle durch den Fetisch festgelegt gewesen, hätte es diese Entwicklung nicht geben können.
06 · Fetisch und Rollen
Rollen im Spiel sind nicht Rollen im Leben
Manche Männer fürchten, eine devote Seite mache sie schwach, und manche Frauen, eine dominante Rolle mache sie hart. Beides stimmt nicht. Meine Frau ist im Alltag eine starke, selbstbewusste Frau und wollte sexuell trotzdem nicht dauerhaft die Führung übernehmen. Was im erotischen Spiel passiert, ist kein Urteil über Charakter, Stärke oder Männlichkeit.
07 · Fetisch und Rollen
Was in jeder Rolle gilt
Dominanz im Zusammenhang mit Fuß- und Schuhfetischismus beschreibe ich in meinem Buch als Resonanzraum, in dem Wahrnehmung, Rolle und Einverständnis zusammenkommen. Sie funktioniert nur, wenn sie freiwillig ist. Alles andere hat mit einem Fetisch nichts zu tun.
Wenn du noch nicht weißt, wo du stehst, musst du das nicht allein im Kopf klären. Sprich mit deiner Partnerin darüber, probiert behutsam aus, was sich gut anfühlt, und tauscht auch einmal die Rollen. Manche Menschen merken dabei, dass ihnen beide Seiten gefallen.
Die Frage ist also nicht, welche Rolle dein Fetisch dir zuweist. Sie lautet eher, welche Rolle du in diesem Moment, mit diesem Menschen, spielen möchtest. Und die Antwort darf sich ändern.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
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