01 · Fetische und BDSM
Einleitung
Nach meiner Erfahrung sehr stark, aber nicht zwangsläufig. Bei vielen Männern mit Fuß- oder Schuhfetisch ist die Faszination eng mit dem Wunsch verbunden, sich einer Frau unterzuordnen. Füße und Schuhe sind dafür wie geschaffen, denn sie stehen seit jeher für oben und unten, für Macht und Hingabe. Es gibt aber auch Fetischisten, die mit Dominanz nichts anfangen können. Und belastbare Zahlen dazu, wie groß welche Gruppe ist, gibt es nicht.
02 · Fetische und BDSM
Was ich in vierzig Jahren beobachtet habe
In meinem Buch schreibe ich, dass Fuß- und Schuhfetischismus häufig mit sadomasochistischen Neigungen einhergeht, oft unbewusst. Die größere Gruppe der Fuß- und Schuhfetischisten ist dabei nach meiner Erfahrung eher devot veranlagt und empfindet die Dominanz des Gegenübers als erregend. In der Szene spricht man bei dominanten Frauen von „Femdom“, abgeleitet von „female domination“.
Gleichzeitig gibt es bei vielen devot ausgerichteten Fetischisten auch eine dominante oder sadistische Seite. Wer zwischen beiden Polen wechselt, wird als „Switch“ bezeichnet. Und es gibt Männer, deren Fetisch sich ganz auf die Form, die Berührung oder die Ästhetik richtet, ohne jede Machtdynamik.
Ich möchte ehrlich sein: Das sind Beobachtungen aus vielen Jahren, aus Gesprächen, Zuschriften und meinem eigenen Leben. Wissenschaftlich gesicherte Zahlen dazu, wie viele Fußfetischisten devot sind, kenne ich nicht.
03 · Fetische und BDSM
Warum Füße und Schuhe so gut zur Dominanz passen
Dass sich gerade an Füßen und Schuhen so oft Fantasien von Macht festmachen, ist kein Zufall. Füße befinden sich am unteren Ende des Körpers. Wer sich jemandem zu Füßen begibt, verändert seine Position, räumlich und emotional. Schuhe verstärken diese Wirkung. Ein hoher Absatz hebt an, ein Stiefel wirkt massiv, eine Sohle kann Grenzen markieren.
In meinem Buch habe ich das in einem Satz zusammengefasst: Wer unten ist, darf schauen. Wer oben ist, wirkt. Schon in der Kunst früherer Jahrhunderte standen Füße für Demut und Unterwerfung, Schuhe für Rang und Macht. Diese Bilder wirken bis heute nach.
04 · Fetische und BDSM
Dominanz ist eine Beziehung, kein Merkmal
Wichtig ist mir eine Unterscheidung. Dominanz ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern entsteht zwischen Menschen, im Moment, im Auftreten, in der Beziehung. Eine Frau in Stiefeln ist nicht automatisch dominant. Und ein Mann, der sich im Spiel gern unterordnet, ist im Leben nicht schwach.
Dominanz im erotischen Spiel funktioniert außerdem nur, wenn sie freiwillig ist. Sie entsteht nicht dadurch, dass jemand eine Rolle übernehmen muss, sondern dadurch, dass er oder sie es möchte.
05 · Fetische und BDSM
Wenn die Partnerin nicht dominant sein möchte
Genau hier liegt eines der häufigsten Probleme. Viele Männer mit devot geprägtem Fuß- oder Schuhfetisch wünschen sich eine Partnerin, die die Führung übernimmt. Viele Frauen wollen diese Rolle aber gar nicht, oder zumindest nicht dauerhaft.
Ich habe das selbst erlebt. Über viele Jahre habe ich meine Frau als dominante „Königin“ gesehen, obwohl sie diese Rolle auf Dauer nicht übernehmen wollte. Im Alltag ist sie eine starke, selbstbewusste Frau. Sexuell wollte sie aber nicht immer führen, und schon gar nicht immer tiefer in eine BDSM-Welt eintauchen. Ich habe ihre eigenen Bedürfnisse damals zu wenig wahrgenommen, und wir wurden beide unzufrieden.
Wenn beide sich im Grunde ein führendes Gegenüber wünschen, bleibt die Frage offen, wer diesen Part übernimmt. Das ist oft das eigentliche Problem, nicht der Fetisch selbst.
06 · Fetische und BDSM
Wie sich Rollen verändern können
Bei mir hat sich die Rolle nach Jahrzehnten noch einmal grundlegend verschoben. Eine erfahrene Psychologin riet mir, meine eigene dominante Seite auszuprobieren und meine Frau von der Rolle zu befreien, immer führen zu müssen. Ich war skeptisch, habe es aber getan. Es hat mich tatsächlich erregt, meiner Frau hat es gefallen. Gleichzeitig habe ich Cowboystiefel an meinen eigenen Füßen wieder entdeckt und damit einhergehend neue Spielarten. Der Fetisch ist geblieben. Seine Verbindung zur Dominanz hat sich umgekehrt.
Das zeigt: Die Beziehung zwischen Fetisch und Dominanz ist nicht in Stein gemeißelt. Sie kann sich entwickeln, wenden und in unterschiedlichen Beziehungen ganz unterschiedlich aussehen.
07 · Fetische und BDSM
Was das für dich bedeuten kann
Wenn du merkst, dass dein Fuß- oder Schuhfetisch eng mit dem Wunsch nach weiblicher Dominanz verbunden ist, hilft es, beides getrennt zu betrachten. Was reizt dich am Fuß oder Schuh selbst? Und was an der Rolle, die damit verbunden ist? Diese Klarheit erleichtert auch das Gespräch mit einer Partnerin. Manchmal findet sie Gefallen an der Rolle, manchmal nur an einzelnen Elementen, manchmal gar nicht. Alles davon ist in Ordnung, solange es freiwillig bleibt.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
Im Buch vertiefen
Von der Frage zur eigenen Geschichte.
„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.
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