01 · Sexualität

Einleitung

Ja, ein Schuhfetisch kann ein ganz eigenständiger Fokus sein, und er kann sich zugleich mit einem Fußfetisch überschneiden. Beim Fußfetisch steht der Körper im Mittelpunkt, beim Schuhfetisch ein Gegenstand, der Form, Haltung und Ausstrahlung eines Menschen verändert. Viele Menschen reagieren auf beides, andere nur auf das eine. Ich selbst spreche von meinem Fuß- und Schuhfetisch, wobei bei mir die Schuhe klar im Vordergrund stehen.

02 · Sexualität

Nah verwandt, aber mit eigener Dynamik

Schuhfetischismus steht dem Fußfetischismus sehr nahe und geht in vielen Fällen mit ihm einher. Er hat aber eine eigene Dynamik. Während sich der Fußfetisch stärker auf den Körper selbst richtet, erweitert der Schuhfetisch den Blick um ein Objekt. Der Schuh wird dabei nicht als Accessoire wahrgenommen, sondern als eigenständiger erotischer Reiz.

In der Fachliteratur wurde dieser Unterschied lange sorgfältig beachtet. Fetische, die sich auf Körperteile richten, und solche, die sich auf Gegenstände richten, wurden in den Diagnosehandbüchern zeitweise getrennt behandelt. Im Alltag verschwimmt diese Trennung allerdings oft.

03 · Sexualität

Ein Objekt mit Geschichte

Schuhe begleiten Menschen seit Jahrtausenden. Sie schützen, sie formen den Gang, sie zeigen Zugehörigkeit, Status und Rolle. Lange bevor sie erotisch wahrgenommen wurden, hatten sie eine symbolische Bedeutung. Wer besondere Schuhe trug, zeigte Macht, Reichtum oder soziale Stellung. Diese Aufladung wirkt bis heute nach, auch auf sexueller Ebene. Anders als ein Fuß lässt sich ein Schuh außerdem besitzen, sammeln und immer wieder neu wählen. Auch das macht ihn als Fetischobjekt besonders.

04 · Sexualität

Was am Schuh reizt

Die Vorlieben innerhalb des Schuhfetischismus sind erstaunlich vielfältig. Manche fühlen sich vor allem von High Heels angezogen, andere von Stiefeln, Ballerinas oder Sneakern. Für einige ist das Material entscheidend, denn Leder, Lack oder Samt erzeugen jeweils eine ganz eigene Wirkung. Andere reizt das Design, die Linienführung oder die Art, wie der Schuh den Fuß umschließt. Auch der Zustand kann eine Rolle spielen: Für die einen müssen Schuhe neu und teuer sein, für andere gerade getragen und abgelaufen.

Viele Menschen mit ausgeprägtem Schuhfetisch haben sehr konkrete Favoriten, bestimmte Marken, Modelle oder Absatzhöhen. Es ist kein Zufall, dass Designerschuhe häufig im Zentrum dieser Faszination stehen. Sie sind bewusst inszeniert, als Kunstwerke und als Objekte der Verführung.

05 · Sexualität

Mein Schuhfetisch braucht einen Menschen

Bei mir zeigt sich eine Besonderheit, die viele andere Männer mit Schuhfetisch vermutlich kennen. Ein Verkaufsfoto meiner Lieblingsschuhe erregt mich kein bisschen. Sehe ich dieselben Schuhe aber an einer Frau, die selbstbewusst auf einem Sofa sitzt, springt sofort eine Fantasie an. Der Schuh allein ist für mich nur ein schönes Objekt. Erotisch wird er erst, wenn ein Mensch ihn trägt und ihm Haltung und Ausdruck gibt.

Andere erleben das anders und reagieren schon auf den Schuh selbst. Beides ist ein Schuhfetisch, nur mit unterschiedlichem Schwerpunkt.

06 · Sexualität

Wie Fuß und Schuh zusammenspielen

Bei vielen Menschen verbinden sich beide Seiten. Schuhe und Strümpfe können die Wirkung von Füßen verstärken, verändern oder in einen bestimmten Zusammenhang setzen. Ein hoher Absatz spannt die Beine, verändert Haltung und Gang. Ein Stiefel wirkt massiv, ein feiner Pumps elegant.

Gleichzeitig interessieren sich manche Menschen mit Fußfetisch kaum für Schuhe, und manche mit Schuhfetisch kaum für den nackten Fuß.

07 · Sexualität

Unterschiede selbst innerhalb der Szene

Wie groß die Vielfalt ist, zeigt eine Beobachtung, die ich in meinem Buch beschreibe. Manchmal unterscheiden sich zwei scheinbar gleiche Fetische im Detail so stark, dass Menschen mit der einen Ausprägung mit der anderen überhaupt nichts anfangen können oder sie sogar ablehnen. Wer „Schuhfetisch“ sagt, meint also nicht bei allen dasselbe.

08 · Sexualität

Was die Forschung zeigt

Wie häufig Schuhfetische im Vergleich zu Fußfetischen sind, lässt sich nicht seriös beziffern. Eine Forschungsgruppe um Claudia Scorolli hat 2007 insgesamt 381 Online-Diskussionsgruppen zu Fetischen ausgewertet. Füße und damit verbundene Gegenstände wie Schuhe und Socken waren dort zusammen die sichtbarste Einzelkategorie. Über die Verbreitung in der Bevölkerung sagt das nichts, aber es zeigt, wie eng beide Themen miteinander verbunden sind.

Ob du nur auf Schuhe reagierst, nur auf Füße oder auf beides, ist letztlich eine Frage deines persönlichen Profils. Alle Varianten gehören zum selben breiten Spektrum.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Kafka, M. P. (2010): The DSM Diagnostic Criteria for Fetishism. Archives of Sexual Behavior 39(2). doi:10.1007/s10508-009-9558-7
  3. Scorolli, C. et al. (2007): Relative prevalence of different fetishes. International Journal of Impotence Research 19(4), 432–437. doi:10.1038/sj.ijir.3901547

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