01 · Beziehung & Sexualität
Einleitung
Du darfst sie ablehnen. Wichtig ist nur, dass du deine Ablehnung als dein Gefühl ausdrückst und nicht als Urteil über ihn. Ekel ist eine echte Reaktion, die du nicht wegdiskutieren musst. Wie du darüber sprichst, macht aber einen großen Unterschied: für ihn, für dich und für eure Beziehung. Ich schreibe diesen Text als Mann mit Fetisch, aber für dich als Partnerin.
02 · Beziehung & Sexualität
Ekel ist ein legitimes Gefühl
So wie niemand sich aussucht, was ihn erregt, sucht sich auch niemand aus, was ihn abstößt. Wenn du beim Gedanken an bestimmte Spielarten des Fußfetischs Ekel empfindest, ist das keine Prüderie und keine Engstirnigkeit. Manche Vorlieben, etwa rund um den Geruch von Füßen, sind für Außenstehende tatsächlich schwer nachvollziehbar. Dein Gefühl darf da sein.
03 · Beziehung & Sexualität
Der Unterschied zwischen „das“ und „du“
Es gibt einen großen Unterschied zwischen zwei Sätzen, die auf den ersten Blick ähnlich klingen. „Ich finde das eklig“ beschreibt deine Reaktion auf eine Handlung. „Du bist eklig“ oder „Du bist pervers“ ist ein Urteil über einen ganzen Menschen.
Der erste Satz setzt eine Grenze. Der zweite verletzt. Viele Männer mit Fetisch tragen ohnehin eine tiefe Angst davor mit sich herum, als abstoßend zu gelten. Ein Urteil über ihre Person bestätigt genau diese Angst und kann lange nachwirken, auch wenn es im Affekt gesagt wurde.
04 · Beziehung & Sexualität
Sätze, die ablehnen, ohne abzuwerten
Diese Formulierungen können dir helfen, klar zu bleiben, ohne ihn zu beschämen:
In meinem Buch betone ich eine Unterscheidung, die hier hilft: Verständnis bedeutet nicht automatisch Zustimmung, und Offenheit bedeutet nicht Verpflichtung. Du kannst seine Vorliebe respektieren und trotzdem Nein sagen.
- „Das ist nichts für mich. Ich möchte das nicht.“
- „Ich merke, dass mich das abstößt. Das hat nichts mit dir als Mensch zu tun.“
- „Ich verstehe, dass es dir wichtig ist. Ich kann dabei trotzdem nicht mitmachen.“
- „Ich brauche Zeit, um das einzuordnen. Bitte lass uns später in Ruhe darüber sprechen.“
05 · Beziehung & Sexualität
Wenn es nicht nur um Ekel geht, sondern um Belastung
Manchmal ist es weniger der Fetisch selbst, der dich stört, sondern das, was er in eurer Beziehung auslöst. Vielleicht nimmt er zu viel Raum ein, vielleicht fühlst du dich unter Druck gesetzt, vielleicht hast du das Gefühl, nur noch als Trägerin eines Reizes gesehen zu werden. Auch das darfst du ansprechen.
Wenn jemand das Gefühl hat, funktionieren zu müssen, damit die Beziehung hält, zeigt sich der innere Widerstand oft nicht direkt, sondern als Lustlosigkeit oder Rückzug. Es ist besser, deine Belastung früh zu benennen, als sie so lange mitzutragen, bis sie euch beide auseinandertreibt.
06 · Beziehung & Sexualität
Was er vermutlich fühlt
Wenn du Nein sagst oder Ekel zeigst, wird er enttäuscht sein, vielleicht auch verletzt. Das heißt nicht, dass du etwas falsch gemacht hast. Aber es kann helfen, im Hinterkopf zu behalten, wie viel Mut es ihn womöglich gekostet hat, sich dir überhaupt zu öffnen. Eine ruhige, respektvolle Ablehnung macht es ihm leichter, dein Nein anzunehmen, ohne sich als Mensch abgelehnt zu fühlen.
Und falls dir im ersten Moment doch ein verletzender Satz herausgerutscht ist, kannst du ihn später zurücknehmen. Ein ehrliches „Das war unfair von mir. Ich meinte meine Reaktion, nicht dich“ kann viel reparieren.
07 · Beziehung & Sexualität
Gibt es einen gemeinsamen Nenner?
Oft bezieht sich Ekel nur auf bestimmte Teile eines Fetischs. Vielleicht stört dich der nackte Fuß, aber nicht ein schöner Schuh. Vielleicht stört dich eine bestimmte Spielart, aber nicht eine Fußmassage. Es kann sich lohnen, gemeinsam genauer hinzuschauen, wo deine Grenze liegt. Es geht dabei nicht darum, dich zu überreden. Es geht darum herauszufinden, ob es einen Bereich gibt, in dem ihr euch beide wohlfühlt.
Und wenn es diesen Bereich nicht gibt, ist auch das eine ehrliche Antwort. Manche Paare lassen den Fetisch dann bewusst im Hintergrund, und er lebt ihn für sich allein. Andere merken, dass ihre Bedürfnisse zu weit auseinanderliegen.
08 · Beziehung & Sexualität
Was bleibt
Du musst nichts mögen, nur weil dein Partner es mag. Aber die Art, wie du Nein sagst, kann eure Beziehung schützen. Wer seine Grenze klar und ohne Abwertung zieht, zeigt Respekt für sich selbst und für den anderen.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
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