01 · Beziehung & Sexualität

Einleitung

Mit einem Dank für das Vertrauen, mit Zeit zum Nachdenken und ohne vorschnelle Versprechen. Du musst im ersten Moment weder begeistert sein noch eine Entscheidung treffen. Viel wichtiger ist, dass er spürt: Es war richtig, sich dir anzuvertrauen. Alles Weitere könnt ihr in Ruhe klären. Ich schreibe diesen Text als Mann mit Fetisch, aber für dich als Partnerin.

02 · Beziehung & Sexualität

Was in diesem Moment in ihm vorgeht

Wenn dein Partner dir von seinem Fuß- oder Schuhfetisch erzählt, hat ihn das vermutlich viel Mut gekostet. Viele Männer tragen dieses Thema über Jahre mit sich herum, aus Angst, belächelt oder abgelehnt zu werden. Vielleicht hat er lange überlegt, wann und wie er es sagen soll. Vielleicht ist er gerade sehr angespannt.

Deine erste Reaktion prägt, wie er in Zukunft mit dir über dieses Thema und über seine Sexualität insgesamt spricht. Das heißt nicht, dass du alles richtig machen musst. Aber es lohnt sich, einen Moment innezuhalten, bevor du antwortest.

03 · Beziehung & Sexualität

Die ersten Sätze

Du musst keine perfekte Antwort finden. Ein paar einfache Sätze helfen oft mehr als lange Erklärungen:

Der letzte Satz ist nur dann gut, wenn er stimmt. Wenn du unsicher bist, bleib lieber bei den ersten drei.

  • „Danke, dass du mir das erzählst.“
  • „Ich sehe, dass dir das nicht leichtgefallen ist.“
  • „Ich brauche etwas Zeit, um das einzuordnen, aber ich bin froh, dass du ehrlich bist.“
  • „Das ändert nichts daran, wie ich dich sehe.“

04 · Beziehung & Sexualität

Was du nicht versprechen musst

Viele Partnerinnen haben das Gefühl, jetzt sofort sagen zu müssen, ob sie den Fetisch mittragen oder nicht. Das musst du nicht. In meinem Buch betone ich eine Unterscheidung, die hier besonders hilft: Verständnis bedeutet nicht automatisch Zustimmung, und Offenheit bedeutet nicht Verpflichtung.

Du kannst ihm zuhören, ihn verstehen und ihm dankbar für seine Ehrlichkeit sein, ohne zu versprechen, dass du irgendetwas davon mitmachst. Eine ehrliche Antwort wie „Ich weiß noch nicht, was ich davon halte, aber ich will darüber reden“ ist in diesem Moment viel wertvoller als ein vorschnelles Ja oder Nein.

05 · Beziehung & Sexualität

Was du besser vermeidest

Ein paar Reaktionen können ungewollt viel Schaden anrichten:

  • Lachen oder Spott, auch wenn er aus Verlegenheit kommt.
  • Abwertende Worte wie „pervers“, „krank“ oder „eklig“ über ihn als Person.
  • Sofortige Deutungen wie „Das hat bestimmt mit deiner Kindheit zu tun“.
  • Die Frage, ob du ihm nicht genug bist. Sie ist verständlich, aber im ersten Moment setzt sie ihn unter Druck. Heb sie dir für ein späteres Gespräch auf.

06 · Beziehung & Sexualität

Fragen für später

Wenn der erste Moment vorbei ist, gibt es viel zu verstehen. Diese Fragen können euch helfen, wenn ihr bereit seid:

Manche Frauen sind überrascht, wie viel die Antworten mit ihnen selbst zu tun haben. Ein Fetisch wirkt fast immer über eine Fantasie, und in dieser Fantasie spielt im besten Fall die Partnerin die Hauptrolle.

  • Seit wann weißt du das von dir?
  • Was genau reizt dich daran? Geht es um meine Füße, um Schuhe, um bestimmte Situationen?
  • Welche Rolle spielt das für dich in unserer Sexualität?
  • Was wünschst du dir von mir, und was wäre dir nicht so wichtig?

07 · Beziehung & Sexualität

Deine eigenen Gefühle

Vielleicht bist du irritiert, vielleicht neugierig, vielleicht beides. Vielleicht fragst du dich, was das für eure Beziehung bedeutet. All diese Gefühle haben ihre Berechtigung. Du darfst sie aussprechen, dir Zeit nehmen und, wenn du magst, dich auch mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle austauschen, ohne seine Privatsphäre zu verletzen.

08 · Beziehung & Sexualität

Was Hoffnung macht

Ein Fetisch ist keine Krankheit. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus nicht mehr als eigene Diagnose. Ich habe selbst erlebt, wie entlastend Offenheit sein kann, wenn sie auf Akzeptanz trifft. Als ich meiner damaligen Frau sehr früh von meinem Fetisch erzählte, reagierte sie gelassen, und gerade deshalb wurde er für uns selbstverständlich. Eine ruhige erste Reaktion kann genau diesen Weg öffnen, ganz gleich, wie ihr euch später entscheidet.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int

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