01 · Sexualität
Einleitung
Eine Vorliebe erweitert die Sexualität, ein Kink ist ein Oberbegriff für nicht alltägliche sexuelle Spielarten, und ein Fetisch ist eine besondere Fixierung der Erregung auf einen Gegenstand oder Körperteil. Keiner dieser Begriffe beschreibt eine Krankheit. Wer sie kennt, kann über die eigene Sexualität sprechen, ohne sich unnötig zu pathologisieren. Ein kleiner Wegweiser durch die Begriffe.
02 · Sexualität
Die Begriffe im Überblick
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Begriffe, die rund um Fuß- und Schuhfetische auftauchen. Die Grenzen sind fließend, und nicht jeder verwendet die Wörter genau gleich:
- Begriff: Vorliebe. Was er meint: Etwas, das die Sexualität bereichert, aber nicht notwendig ist. Beispiel: Du genießt Fußmassagen und findest schöne Füße reizvoll.
- Begriff: Kink. Was er meint: Umgangssprachlicher Oberbegriff für nicht alltägliche sexuelle Vorlieben und Praktiken. Beispiel: Rollenspiele, Dominanz und Hingabe, Fetische.
- Begriff: Fetisch. Was er meint: Stabile Fixierung der Erregung auf einen Gegenstand oder Körperteil, oft mit zentraler Funktion. Beispiel: Schuhe oder Füße sind für dich ein wichtiger Zugang zur Lust.
- Begriff: Paraphilie. Was er meint: Fachbegriff für ein anhaltendes, ungewöhnliches sexuelles Interesse. Beispiel: Wird in der Fachliteratur verwendet, beschreibt noch keine Störung.
- Begriff: Paraphile Störung. Was er meint: Klinischer Begriff, wenn deutliches Leid, ernste Risiken oder fehlendes Einverständnis hinzukommen. Beispiel: Wird nur von Fachleuten nach sorgfältiger Abklärung vergeben.
03 · Sexualität
Vorliebe
In meinem Buch beschreibe ich eine Vorliebe als etwas, das die Sexualität erweitert. Sie ist angenehm, aber nicht zwingend nötig. Wer schöne Füße mag oder gern die Füße seiner Partnerin massiert, hat eine Vorliebe. Wenn Füße einmal keine Rolle spielen, fehlt ihm nichts.
04 · Sexualität
Kink
Das englische Wort „Kink“ ist in den letzten Jahren auch im Deutschen verbreitet. Es ist ein lockerer Oberbegriff für sexuelle Vorlieben und Praktiken jenseits dessen, was als üblich gilt. Dazu zählen Fetische, aber auch Rollenspiele oder das Spiel mit Dominanz und Hingabe. Viele Menschen empfinden „Kink“ als angenehm, weil das Wort keine medizinische Färbung hat. Auch in der Forschung wird es inzwischen verwendet, etwa in Studien über die Erfahrungen kink-orientierter Menschen im Gesundheitswesen.
05 · Sexualität
Fetisch
Ein Fetisch ist stabiler als eine Vorliebe. Er begleitet Menschen meist über lange Zeit, und ein bestimmter Reiz übernimmt für die Erregung eine besondere Funktion. Beim Fußfetisch ist das der Fuß, beim Schuhfetisch der Schuh. Für manche ist der Fetisch ein zusätzlicher Reiz unter vielen, für andere ein zentraler Zugang zur Lust. Das Wort geht übrigens auf das portugiesische „feitiço“ zurück, was so viel wie Zauber bedeutet. In der Fachliteratur wird der Fußfetisch auch Podophilie genannt.
06 · Sexualität
Paraphilie und paraphile Störung
In der Fachwelt spricht man von Paraphilien, wenn es um anhaltende ungewöhnliche sexuelle Interessen geht. Die amerikanische Psychiatervereinigung APA trennt dabei klar zwischen einer Paraphilie und einer paraphilen Störung. Die meisten Menschen mit solchen Interessen haben keine psychische Störung.
Die Weltgesundheitsorganisation geht noch einen Schritt weiter. Seit 2022 führt sie Fetischismus in der ICD-11 nicht mehr als eigene Diagnose. Eine Diagnose kommt nur noch infrage, wenn jemand deutlich unter seinem Erregungsmuster leidet, ein ernstes Verletzungsrisiko besteht oder andere ohne ihr Einverständnis betroffen sind.
07 · Sexualität
Warum die Wortwahl zählt
Wörter prägen, wie wir uns selbst sehen. Wer jahrelang Begriffe wie „Perversion“ oder „Störung der Sexualpräferenz“ im Kopf hat, blickt anders auf sich als jemand, der von einer Vorliebe oder einem Kink spricht. Diese alten Begriffe stammen aus Diagnosekatalogen, die heute nicht mehr gelten. In der früheren ICD-10 stand Fetischismus tatsächlich noch unter dem Kürzel F65.0 bei den Störungen der Sexualpräferenz. Wer heute im Internet sucht, stößt oft zuerst auf genau diese veralteten Einordnungen.
Gleichzeitig wird das Wort „Fetisch“ im Alltag sehr inflationär verwendet. Man spricht von einem Modefetisch oder einem Technikfetisch, wenn jemand etwas besonders mag. Mit sexueller Erregung hat das nichts zu tun.
08 · Sexualität
Welches Wort passt zu dir?
Das entscheidest du selbst. Die Begriffe sind Werkzeuge, keine Urteile. Wer „Vorliebe“ sagt, betont, dass es um einen Teil der Sexualität unter vielen geht. Wer „Kink“ sagt, ordnet sich einer vielfältigen Gemeinschaft zu. Wer „Fetisch“ sagt, benennt präzise, welche Rolle ein bestimmter Reiz spielt. Ich selbst spreche heute offen von meinem Fuß- und Schuhfetisch, weil dieses Wort für mich am genauesten beschreibt, was ich erlebe.
Wichtig ist nur, dass du dir kein Wort überstülpen lässt, das dich kleiner macht, als du bist. Begriffe wie „pervers“ oder „krank“ gehören nicht dazu. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Wissenschaft Sexualität noch mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit vermischt hat.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- American Psychiatric Association (2013): Paraphilic Disorders. DSM-5 Fact Sheet. psychiatry.org
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
- Giami, A. (2015): Between DSM and ICD: Paraphilias and the Transformation of Sexual Norms. Archives of Sexual Behavior 44(5). doi:10.1007/s10508-015-0549-6
- Waldura, J. F. et al. (2016): Fifty Shades of Stigma: Exploring the Health Care Experiences of Kink-Oriented Patients. Journal of Sexual Medicine 13(12). doi:10.1016/j.jsxm.2016.09.019
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