01 · Sexualität
Einleitung
Von einem Fußfetisch spricht man, wenn Füße oder Schuhe für die sexuelle Erregung eines Menschen eine besondere und wiederkehrende Rolle spielen. Ob du dieses Wort für dich verwenden möchtest, entscheidest allerdings du. Es ist ein Werkzeug, um dich selbst zu beschreiben, kein Urteil und keine Diagnose.
02 · Sexualität
Ein Wort mit Geschichte
Das Wort „Fetisch“ geht auf das portugiesische „feitiço“ zurück, was so viel wie Zauber bedeutet. Ursprünglich bezeichnete es Gegenstände, denen man besondere Kräfte zuschrieb. Als wissenschaftlicher Begriff für sexuelle Vorlieben tauchte es erstmals 1887 in den Arbeiten des französischen Psychologen Alfred Binet auf. Er vermutete, dass sich ein Detail in einer emotional aufgeladenen Situation tief einprägen und später immer wieder Erregung auslösen kann.
Von Anfang an schwang in dem Begriff also die Idee mit, dass ein Gegenstand oder Körperteil eine Wirkung entfaltet, die über das Sichtbare hinausgeht. Genau so erleben es viele Menschen mit einem Fußfetisch bis heute.
03 · Sexualität
Vier Begriffe, die oft verwechselt werden
Im Alltag gehen einige Wörter durcheinander, die eigentlich sehr Unterschiedliches meinen.
Eine Vorliebe erweitert die Sexualität. Sie ist angenehm, aber nicht zwingend notwendig. Wer Füße schön findet und gern massiert, hat eine Vorliebe.
Eine Fantasie ist ein inneres Bild oder Szenario, das Erregung auslösen kann, ohne je umgesetzt zu werden. Fantasien sind beweglich und oft von der Situation abhängig.
Ein Fetisch ist stabiler. Er begleitet Menschen meist über lange Zeit, und bestimmte Reize übernehmen für die Erregung eine zentrale Funktion. Für manche ist er ein wichtiger Zugang zur Lust, für andere ein zusätzlicher Reiz unter vielen.
Eine Störung beschreibt nicht, was jemanden erregt, sondern ob dabei Leid entsteht. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus nicht mehr als eigene Diagnose.
04 · Sexualität
Fuß, Schuh oder beides?
Ein Fußfetisch richtet sich auf einen Körperteil, ein Schuhfetisch auf einen Gegenstand. In der Fachliteratur wurde diese Unterscheidung lange sorgfältig getrennt behandelt. In der Praxis überschneidet sich beides aber häufig. Viele Menschen reagieren auf nackte Füße ebenso wie auf Schuhe, Strümpfe oder Socken, manche nur auf eine ganz bestimmte Variante.
In meinem Buch beschreibe ich neun verschiedene Spielarten des Fuß- und Schuhfetischs. Sie reichen von der Verehrung über das Spiel mit Macht und Hingabe bis zu sehr speziellen Ausprägungen. Manchmal unterscheiden sich zwei scheinbar gleiche Fetische im Detail so stark, dass Vertreter der einen Ausrichtung mit der anderen gar nichts anfangen können. Es gibt also nicht „den“ Fußfetisch.
05 · Sexualität
Wann das Wort auf dich zutrifft
Eine feste Grenze gibt es nicht. Ein paar Fragen können dir aber helfen, dich einzuordnen:
Vielleicht merkst du beim Beantworten auch, dass dich eher eine bestimmte Situation reizt, etwa das Gefühl von Nähe oder Hingabe, und die Füße nur ein Teil davon sind. Auch das gehört dazu, den eigenen Fetisch kennenzulernen.
Übrigens musst du dein Fetischobjekt nicht zwingend brauchen, um von einem Fetisch zu sprechen. In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia gab die Mehrheit der Menschen, die sich selbst einen Objektfetisch zuschreiben, an, auch ohne dieses Objekt erregt zu werden. Die Befragten hatten sich selbst gemeldet, repräsentativ ist das also nicht. Es zeigt aber, wie breit das Spektrum ist.
- Spielen Füße oder Schuhe in deinen Fantasien regelmäßig eine Rolle, und das schon über längere Zeit?
- Sind sie für deine Erregung ein wichtiger Zugang oder eher ein angenehmer Zusatz?
- Erregt dich der Anblick oder die Berührung selbst, oder vor allem die Geschichte, die sich in deinem Kopf dazu entspinnt?
- Hast du das Bedürfnis, diesen Teil deiner Sexualität mit einem eigenen Wort zu benennen?
06 · Sexualität
Das Etikett ist ein Werkzeug
Ein Begriff kann entlasten. Er gibt dir eine Sprache, mit der du dich selbst verstehen, dich mit anderen austauschen oder deiner Partnerin erklären kannst, was in dir vorgeht. Wer seinen Fetisch gut kennt, kann auch besser darüber sprechen.
Ein Begriff kann aber auch einengen. Wer sich ausschließlich über seinen Fetisch definiert, macht ihn größer, als er ist. Die Forschung trennt deshalb sehr genau zwischen dem Interesse selbst, dem Verhalten und der Art, wie sich jemand selbst versteht. Du kannst eine starke Vorliebe für Füße haben und dich trotzdem nicht als Fetischist bezeichnen. Oder du nennst dich so und merkst, wie befreiend das ist. Beides ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass das Wort dir dient und nicht du dem Wort.
Quellen
Quellen
- Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
- Kafka, M. P. (2010): The DSM Diagnostic Criteria for Fetishism. Archives of Sexual Behavior 39(2). doi:10.1007/s10508-009-9558-7
- Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int
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