01 · Sexualität

Einleitung

Eine scharfe Grenze gibt es nicht. Zwischen einer Neigung, also einem Gefallen an Füßen, und einem ausgeprägten Fetisch liegt ein fließender Übergang. Wo du selbst stehst, kannst du aber recht gut anhand einiger Fragen einschätzen. Entscheidend ist dabei nicht, wie stark dich Füße ansprechen, sondern welche Rolle sie für deine Erregung spielen.

02 · Sexualität

Warum die Grenze unscharf ist

Menschen erleben ihre Sexualität nicht in Schubladen. In meinem Buch beschreibe ich Fetischismus deshalb als Spektrum. Für manche Menschen ist der Fetisch ein zusätzlicher Reiz unter vielen, für andere ein wichtiger oder sogar der wichtigste Zugang zur Erregung. Dazwischen liegt eine große Bandbreite, und viele Menschen bewegen sich im Lauf ihres Lebens darauf hin und her.

Auch die Forschung zeigt, wie fließend der Übergang ist. In Studien von Giselle Rees und Justin Garcia gab die Mehrheit der Menschen, die sich selbst einen Objektfetisch zuschreiben, an, auch ohne ihr Fetischobjekt sexuell erregt und aktiv zu sein. Die Befragten hatten sich selbst gemeldet, repräsentativ ist das also nicht. Es zeigt aber, dass selbst viele, die sich als Fetischisten bezeichnen, ihr Objekt nicht zwingend brauchen.

03 · Sexualität

Ein kleiner Selbsttest

Die folgenden sieben Fragen können dir helfen, dich einzuordnen. Beantworte sie ehrlich für dich mit JA oder NEIN. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

  • Erregung. (A) Lösen Füße bei dir sexuelle Erregung aus, oder (B) findest du sie einfach nur schön?
  • Häufigkeit. (A) Tauchen Füße regelmäßig in deinen sexuellen Fantasien auf, oder (B) nur hin und wieder?
  • Dauer. (A) Begleitet dich diese Faszination schon viele Jahre, oder (B) ist sie eher neu oder schwankend?
  • Unabhängigkeit. (A) Reagierst du auf Füße auch außerhalb deiner Beziehung, etwa im Alltag, im Film oder auf Bildern, oder (B) nur im Liebesspiel?
  • Genauigkeit. (A) Kannst du ziemlich genau beschreiben, welche Füße, Formen, Situationen oder Details dich reizen, oder (B) sind dir Details egal?
  • Bedeutung. (A) Würde dir beim Sex etwas Wichtiges fehlen, wenn Füße gar keine Rolle spielen, oder wäre dir das nicht so wichtig?
  • Fantasie. (A) Löst der Anblick eines Fußes bei dir eine kleine Geschichte im Kopf aus, eine Stimmung, eine Rolle, eine Szene, oder (B) eher nicht?

04 · Sexualität

Wie du die Antworten deuten kannst

Wenn du die meisten Fragen mit B beantwortet hast, spricht vieles nur für eine Neigung oder Vorliebe. Füße gefallen dir, sie bereichern vielleicht deine Sexualität, aber sie sind nicht zentral. Das ist eine Form von Wertschätzung, die viele Menschen kennen.

Wenn du viele Fragen klar mit A beantwortet hast, bewegst du dich eher im Bereich eines Fetischs. Füße haben dann für deine Erregung eine besondere, stabile und oft zentrale Funktion.

Besonders aufschlussreich ist die letzte Frage. Nach über vierzig Jahren mit meinem eigenen Fetisch bin ich überzeugt, dass die eigentliche Erregung bei einem Fetisch meist nicht nur vom Objekt selbst ausgeht. Der Fuß oder der Schuh ist der Auslöser. Die Erregung entsteht aber in der Geschichte, die sich dazu im Kopf entspinnt. Wer diese innere Geschichte bei sich kennt, die auch an vergangene Erinnerungen anknüpfen kann, hat meist eher einen Fetisch als eine bloße Neigung.

05 · Sexualität

Ein Sonderfall: nur die Füße der Partnerin

Manche Menschen stellen fest, dass sie nur die Füße eines ganz bestimmten Menschen reizvoll finden, meist die der eigenen Partnerin. Fremde Füße oder Bilder lassen sie kalt. In diesem Fall spricht vieles für eine erotische Vorliebe, die an diese Person gebunden ist, und weniger für einen Fetisch im engeren Sinn. Der Fuß ist dann Teil dessen, was man an diesem Menschen liebt.

06 · Sexualität

Ohne sexuelle Komponente ist es kein Fetisch

Und noch eine Abgrenzung ist wichtig. Wer Füße schön findet, gern massiert oder sie als Motiv fotografiert, ohne dabei sexuelle Erregung zu empfinden, hat keinen Fetisch. Ein Fetisch im eigentlichen Sinn hat immer mit sexueller Erregung zu tun.

07 · Sexualität

Warum die Einordnung weniger wichtig ist, als sie scheint

Ob Neigung oder Fetisch: Für dein Leben ist die genaue Bezeichnung meist zweitrangig. Beides ist keine Krankheit. Seit 2022 führt die Weltgesundheitsorganisation Fetischismus nicht mehr als eigene Diagnose. Die Forschung unterscheidet außerdem zwischen dem Interesse selbst, den Fantasien dazu, dem Verhalten und der Art, wie sich jemand selbst bezeichnet. Du darfst also frei entscheiden, welches Wort zu dir passt.

Wichtiger als das Etikett ist, dass du dich selbst verstehst. Wer weiß, welche Rolle Füße für ihn spielen, kann besser mit einer Partnerin darüber sprechen, besser einschätzen, was er sich wünscht, und gelassener mit sich umgehen.

Quellen

Quellen

  1. Markus M. Mey: BIN ICH NORMAL? Fuß- und Schuhfetisch verstehen. Erste Edition, meybrands, Berlin 2026. ISBN 9798247074557.
  2. Rees, G. & Garcia, J. R. (2017): All I Need is Shoe: An Investigation into the Obligatory Aspect of Sexual Object Fetishism. International Journal of Sexual Health 29(4). doi:10.1080/19317611.2017.1309483
  3. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, Paraphilic disorders (6D30–6D36), Release 2025-01. icd.who.int

Im Buch vertiefen

Von der Frage zur eigenen Geschichte.

„Bin ich normal?“ verbindet sachliche Einordnung mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven für Beziehungen.

Das deutsche Buch ansehen
Bin ich normal?

Dieser Beitrag darf Kreise ziehen

Gutes Wissen wird stärker, wenn es geteilt wird.

Verlinke diesen Originalartikel als weiterführende Quelle – mit einem Klick kopierst du die eindeutige Adresse.